Dies ist der göttliche Austausch: Er, der gemäss seiner Berufung lebte, nahm unsere Verzerrung an; er schien ohne Form zu sein; Dies war das Geheimnis der prophetischen Poesie Gottes. Er war in unserem verzerrten Bild verkleidet und mit unseren Missetaten getrübt; Er nahm unsere Sorgen, unseren Schmerz und unsere Schande zu Grabe und brachte seine Gerechtigkeit in uns zur Welt. Er nahm unsere Sünden und wir wurden seine Unschuld.

2. Kor 5:21 Mirror

In dieser Übersetzung ist so viel verborgen. Das Wort für Sünde im Griechischen, hamartia, besteht aus der Verneinung ha, nicht oder ohne, und dem Wort meros, Anteil oder Form.

Sünde ist also eine formlose, einem Zerrbild entsprechende, und anteilslose Identität. Man könnte auch sagen: nicht seinem Design oder seiner Berufung entsprechend leben, sich ausserhalb der Harmonie Gottes bewegen.

Meros ist auch die Wurzel von morphe. In 2.Kor 3:18 steht das Wort metamorphe, welches wir hier ganz wörtlich mit mit Form übersetzen können. Metamorphe ist also das exakte Gegenteil von hamartia, welches wir normalerweise mit Sünde übersetzen.

Ein weiteres Wort, welches wir betrachten wollen, ist poema. Es wird normalerweise mit machen übersetzt. Und daher schreiben die traditionellen Übersetzungen hier: er wurde zur Sünde gemacht.

Poema kommt von poieo und ist das Wort, von dem Poesie abstammt. Es bedeutet ein Schaffen, Zeichnen, Kreieren, Darstellen mit konkretem Ergebnis. Prophetische Poesie wird real.

Jesus wird hier nicht zum Sünder, sondern zum offiziellen Repräsentanten der menschlichen Sünde, das Design und die Harmonie Gottes verlassen zu haben.

Wir haben unsere Berufung verweigert, und Jesus hat sie perfekt ausgelebt. Darum sind wir in Jesus auch wieder auferstanden und haben als neue Kreatur, als prophetische Poesie, seine Unschuld und unsere Berufung angenommen.

Es war nie Jesu Berufung, sondern unsere, Mensch zu sein. Jesus war berufen, Gottes Sohn zu sein. Er verliess seine Berufung um unseretwillen.

Obwohl er Gott war, bestand er nicht auf seinen göttlichen Rechten. Er verzichtete auf alles; er nahm die niedrige Stellung eines Dieners an und wurde als Mensch geboren und als solcher erkannt.

Phil 2:6-7

und

Obwohl er reich war, wurde er um euretwillen arm, um euch durch seine Armut reich zu machen.

2. Kor 8:9

Ich wiederhole hier gerne, was unsere Berufung ist: Wir sind berufen, Gottes Spiegelbild, seine Reflexion hier auf Erden zu sein. Von ihm zu empfangen und weiterzugeben, jeder auf seine individuelle Art.

Diese Berufung haben wir verleugnet. Unser Ego, die Schlange, der Feind, der Teufel, wie auch immer wir es nennen wollen, hat gesagt: das kann ich selber. So wurde unser Ego zur Quelle, mit all den desaströsen Folgen.

Jesus aber nahm diese Verzerrung an. Er liess sein eigenes Bild, das Bild der lebensspendenden Quelle, verzerren, um zum perfekten Spiegelbild Gottes zu werden. So konnte er sagen: wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen.

Warum aber sagt Paulus dies hier zu den Korinthern?

In Korinth gab es zwei Kulte, einen für Poseidon, den anderen für Aphrodite. Beide beinhalteten Blutopfer. Poseidon erhielt Stiere, Aphrodite meist Tauben.

Die Gemeinde in Korinth wurde hauptsächlich von Juden gegründet, war aber durchmischt mit Griechen. Es gab bei beiden Kulturen gerade in dieser Statt eine lebendige Geschichte des Sündopfers. Diese kulturelle Gemeinsamkeit machte sich Paulus zu nutze. Er sprach hier eine Sprache, welche die Menschen in Korinther unabhängig ihrer kulturellen Herkunft verstanden.

Paulus spricht im Kontext unseres Verses von einem Richterstuhl. Hier spricht er den Glauben der Griechen an, dass ein solches Tribunal existiert, mit Aeacus, Minos und Rhadamanthus. Aeacus hat die Schlüssel zur Unterwelt. Minos verkündet das letzte Urteil. Das erinnert daran, dass Jesus selbst die Schlüssel der Unterwelt hat gemäss den Sendschreiben.

Was Paulus hier sagen möchte: Ja, es gibt ein solches Gericht, vor dem ihr erscheinen müsst, damit ihr gemäss euren guten und schlechten Taten gerichtet werden könnt. Aber euer Gewissen wird vollständig rein sein.

Was also hier geschieht, ist nicht die Vergebung von Sünde im traditionellen Sinn, sondern eine Umwandlung unseres Wesens und unseres Denken hin zum Denken Christi.

Paulus sagt, dass, weil einer gestorben ist, alle gestorben sind. Alle Menschen sind eine neue Kreatur, und einige sind aufgewacht zu dieser Tatsache. Gott hat diesen Austausch für den ganzen Kosmos vollzogen.

Wir könnten also so übersetzen, wieder etwas näher am traditionellen Wortlaut:

Er, der nicht wusste, wie es war, keinen Anteil zu haben, wurde durch prophetische Poesie wegen uns zu einem, der keinen Anteil hatte, damit wir beginnen konnten, mit ihm den göttlichen Weg zu gehen.

2. Kor 5:21

Wie aber hat Jesus uns gezeigt, dass wir den Anteil erhalten können?

Gott segnete Abraham. Das Wort für segnen heisst, die Knie beugen. Wenn Gott Abraham segnete, beugte er also seine Knie vor ihm. Jesus tat dasselbe mit den Jüngern, als er ihre Füsse wusch. Petrus wollte das nicht, und ihm wurde gesagt, dass er ohne dies keinen Anteil haben könne.

Zu verweigern, dass Gott uns dient, ist Sünde. Es ist Gottes Wesen, ein Diener zu sein.

Unser Ego, die Schlange, reagiert darauf auf unterschiedliche Art: entweder fühlen wir uns nicht würdig und sagen so, dass Gottes Urteil über uns falsch ist, oder wir erheben uns über Gott und sagen, wir hätten das nicht nötig. Vielleicht schämen wir uns auch eines Gottes, der dient, und wollen einen starken Gott, der etwas von uns verlangt und unsere Feinde mit Macht bekämpft. Oder es ist uns wichtiger, recht zu haben, und darum lassen wir uns dienend reagieren aber nicht darauf.

Aber Gott kämpft nicht mit Heer oder Kraft, sondern in seinem Geist. Sein Geist ist der eines Dieners. Indem er dient, indem er seine Knie beugt, besiegt er unser Ego. Mir kommen hier heisse Kohlen in den Sinn.

Und so ergeben sich wieder unterschiedliche Sichten auf das Kreuz. Es erfüllt unsere heidnischen Ansichten, dass ein Opfer notwendig sei, um Gott gnädig zu stimmen, und ersetzt unser Denken mit der Erkenntnis, dass Gott uns dienen will und dass dieses Dienen der wahre Reichtum ist.

Gott wollte Jesus senden, damit wir, wenn wir ihn sehen, ihn respektieren. Aber die Pächter des Weingartens sahen ihn und sagten: „Kommt, lasst uns ihn umbringen. Dann können wir uns sein Erbe teilen.“

Gott sandte Jesus nie als Sündopfer, um uns mit ihm zu versöhnen. Er kannte die Menschen aber gut genug, dass er wusste, zu was sie geworden waren, und dass die unausweichliche Folge seines Erscheinens Mord sein würde. So war es seit dem Garten Eden. Die Folge war tatsächlich der Tod: der Tod aller in dem Tod des einen.

Dieser Tod aber wurde überwunden in der Auferstehung.

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