Bevor uns der Glaube an Christus als Weg gezeigt wurde, wie wir vor Gott gerecht werden können, wurden wir vom Gesetz bewacht und beschützt, bis Gott den Weg des Glaubens offenbarte.

Galater 3:23

Wie kam es dazu, dass der christliche Glaube zur vorherrschenden Religion wurde?

Ein erstes Mal geschah dies in Rom im vierten Jahrhundert unter Konstantin. Konstantin sah vor einer Schlacht das Kreuzsymbol und sandte darum seine Truppen im Namen des christlichen Gottes in die Schlacht. Er gewann.

Wir haben hier eine Bekehrung eines römischen Kaisers zu einem Machtgott. Und als Konsequenz haben wir die Bekehrung der Kirche zu einem Machtinstrument.

Von da an bestimmte die christliche Kirche durch vom Staat eingesetzte Leiter die Politik und sicherte dem Kaiser das politische Überleben.

Ähnliches sahen wir in den USA für lange Zeit: nur wer sich als Christ bekannte, hatte eine Chance, Präsident zu werden.

In Europa haben wir grösstenteils eine nach-christliche Zeit erreicht. Was heisst das?

Die Kirche ist ganz sicher nicht mehr staatstragend, auch wenn die Trennung von Kirche und Staat in den meisten Ländern noch nicht vollständig vollzogen wurde.

Gesetze werden, ganz nach demokratischen Prinzipien, nicht mehr primär christlichen Werten unterworfen, auch wenn die christlichen Werte die Gesellschaft prinzipiell und archetypisch immer noch prägen.

Wir sind also wieder näher an einer Situation, wie sie die erste Kirche erlebte, in der der Glaube ein Randphänomen war, im Widerspruch zur dominanten Religion und zur Staatsräson, obwohl das, was wir heute als Verfolgung ansehen, sich nicht mit den Verfolgungen jener Zeit vergleichen lässt. Heute wird als Verfolgung angesehen, wenn wir als Kirchen unsere Steuerprivilegien verlieren könnten.

In der Schweiz ist ein Gesetz in Beratung zur Ehe für Alle. Die grosse Kammer des Parlaments hat der Vorlage zugestimmt. Ausstehend ist das Votum der kleinen Kammer, und danach wird wohl das Referendum ergriffen und das Volk kommt zu Wort.

Die Chancen, dass das Gesetz nicht durchkommt, sind klein.

Es ist absehbar und schon Tatsache, dass sich die Kirchen und Gemeinden teilweise gegen das Gesetz stellen werden. Dies wird den Graben zwischen Gesellschaft und Kirche weiter aufreissen und der Relevanz und dem Image der Kirche in der Gesellschaft weiter schaden.

Ich finde es nicht richtig, sich der Gesellschaft prinzipienlos unterzuordnen und anzubiedern. Das Evangelium ist zu wertvoll dafür.

Ich finde es richtig, dass die Menschen und Institutionen in einer Demokratie ihre Stimme und Meinung einbringen. Es ist die Verantwortung eines jeden Bürgers, dies zu tun.

Ich finde die Verquickung von Bürgertum, Kultur und Glauben problematisch, obwohl mir klar ist, dass der Glaube alle Bereiche unseres Lebens prägt und durchdringt.

Richtig problematisch aber finde ich, dass wir immer noch daran glauben, dass Gesetze die Lösung sind. Schon Paulus hat erkannt, dass das Gesetz uns nicht rettet.

Unser Versuch, die Gesetze christlich zu prägen und traditionellen Wertvorstellungen zu unterwerfen, vergrössert nur den Graben zwischen uns und der Gesellschaft. Warum sollte jemand unsere Botschaft glauben, wenn wir grundsätzlich gegen alles und jeden zu sein scheinen?

Jesus hat nie auch nur mit einem Wort die römischen Gesetze kritisiert. Er hat nicht politisiert, auch wenn viele seiner Aussagen durchaus politischen Sprengstoff enthielten.

Jesus hat die religiöse Schicht kritisiert und sich zu Sündern und Ausgestossenen gesetzt. Und wir glauben, dass er zurückkommen wird, um die Religiösen zu retten und die Sünder und Ausgestossenen zu bestrafen.

Gott wollte Sodom und Gomorrah wegen der Gerechten verschonen, die er darin leider nicht fand. Es sind nicht die Gesetze, die äusserliches Verhalten regeln, welche eine Nation retten, sondern die wahrhaft Gerechtgesprochenen, die von innen heraus gerecht handeln.

Und wie wir in den letzten Beiträgen gesehen haben, heisst gerecht auf dem Weg zu sein, die Erwartungen Gottes an uns zu erfüllen. Die Erwartungen eines Vaters, dass wir hineinwachsen in die Reife als Gottes Söhne und Töchter.

Wie sagt Jesus: Wenn Ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote befolgen. Und seine Gebote sind: Liebe Deinen Gott ganzheitlich, und Deinen Nachbarn wie Dich selbst.

Was Jesus nicht sagt: Wenn Ihr meine Gebote haltet, dann liebt Ihr mich. Und das beinhaltet alle ethischen und moralischen Grundsätze, die Ihr in mein Wort hineininterpretiert.

Wir kennen die Geschichte von Ananias und Sefira. Gehen wir eine Schicht tiefer als das Offensichtliche:

Ananias heisst Gnade, Sefira heisst Gebot. Wenn sich Gnade und Gesetz verbinden, liegt darin der Tod. Und wir verbinden die beiden seit Jahrhunderten, trotz der Warnung des Paulus, die er im Galaterbrief gegeben hat.

Wer einen Teil des Gesetzes befolgt, muss das ganze Gesetz befolgen. Wer an einem Teil des Gesetzes schuldig wird, hat das ganze Gesetz übertreten. Halb Gesetz, halb Gnade funktioniert nicht.

War aber gnädig ist und nur einen Teil der Übertretungen des Gesetzes vergibt, treibt den Menschen in die Falle, genau weil er dadurch am Gesetz schuldig wird.

Wir versuchen, abzugrenzen, welcher Teil des Gesetzes heute noch gilt, und welcher durch Jesus am Kreuz abgeschafft wurde. Auch überlegen wir uns, welche neuen Gebote das neue Testament eingeführt hat, und jede Gemeinde hat dafür ihre eigene Liste.

Jesus hat das Gesetz zur Fülle gebracht. Es ist nicht abgeschafft, es hat eine vollständig neue Funktion. Es ist nicht mehr zu befolgen, sondern es manifestiert sich in unserem Verhalten, weil wir den einzigen Geboten des neuen Testaments nachfolgen: Liebe Deinen Gott holistisch, Deinen Nachbarn und Dich selbst.

Dies ist die Botschaft der Offenbarung: Wenn Christus sich in uns offenbart, wird Stück für Stück der alten Natur sterben und was nicht Leben bringt, wird in den Feuersee geworfen.

Das ist die Botschaft der zehn Gebote: Wenn Du Gott ins Zentrum Deines Denkens stellst, dann wirst Du keine anderen Götter neben ihm haben, nicht töten und nicht stehlen.

Das ist die Botschaft der Schöpfung: Wenn Du Dir bewusst wirst, dass es Deine Aufgabe ist, Gott in dieser Welt zu reflektieren, dann ändert sich Deine Perspektive vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse zum Baum des Lebens. Du musst nicht mehr richten, was richtig und was falsch ist, sondern darfst leben bringen.

Eine Gemeinde, die sich darauf ausrichtet, der Dunkelheit durch Gesetze Grenzen setzen zu wollen, ist alttestamentlich unterwegs. Und wie uns die Bibel zeigt, funktioniert dies nicht.

Eine Gemeinde, die dazu noch das Evangelium verbreiten möchte, lebt in beiden Welten und ist zum Tode verurteilt. Gnade wird immer durch Moral und Gesetz beschränkt, und nur, wer dem Gesetz Folge leistet, hat Anrecht auf Gnade. Ananias und Sephira: wir geben den Menschen nur die Hälfte der Gnade und behaupten, es sei die ganze Gnade.

Eine Gemeinde, die sich darauf konzentriert, Licht zu bringen, Gnade walten zu lassen, einzubinden, sich zu den Sündern zu setzen, und Religion, welche das Gesetz als Lösung predigt, zu konfrontieren, die bringt Leben.

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