Und des Morgens sprecht ihr: Es wird heute ein Unwetter kommen, denn der Himmel ist rot und trübe. Über das Aussehen des Himmels könnt ihr urteilen; könnt ihr dann nicht auch über die Zeichen der Zeit urteilen?

Matt 16:3

Wir befinden uns in einer Zeit, wie sie unsere Generation noch nie erlebt hat. Das nächste, das wir in diese Richtung kennen, ist die Ära der beiden Weltkriege und der Spanischen Grippe von 1914-45.

Für diejenigen, die diesen Artikel später lesen: wir sind in der Mitte der ersten Welle des Coronavirus SARS Cov 2 mit der von ihm ausgelösten CoViD-19.

Die Welt ist wesentlich langsamer. Was heisst das?

Der Welthandel hat sich verlangsamt, die Nationen haben sich abgeschottet, nachdem für lange Zeit die Globalisierung im Vordergrund stand.

Viele arbeiten zur Zeit nicht. Alle Berufe, welche nicht lebenswichtig oder systemrelevant sind, wurden gestoppt oder in eine Umgebung verlegt, in der sie sicher ausgeübt werden können. Der Begriff Home Office wurde normal.

Es gibt so ziemlich alles Lebensnotwendige. Es gibt kaum Lebensmittel, die nicht erhältlich sind. Aber wir können keine Luxusartikel im Laden kaufen, wohl aber übers Internet. Die grösste Einschränkung für mich: ich kriege nicht mehr alle Sorten Nespresso-Kaffee.

Wir leben etwas, das sich social distancing nennt. Wir halten Abstand voneinander (mindestens 2m) und Versammlungen mit mehr als 5 Personen sind verboten.

Das ist schlimm für extravertierte Personen, aber nicht für introvertierte.

Die Auswirkungen auf die Wirtschaft sind verheerend. Die grosse Frage: was schützen wir? Menschenleben oder Wohlstand?

Die grösste Auswirkung aber ist die Spekulation über die Bedeutung dieser Zeit. Und sie treibt Blüten.

Von Verschwörungstheorien zu wichtigen Warnungen, von Rebellion aus egoistischen, politischen oder religiösen Gründen bis hin zur offiziellen Darstellung findet man so ziemlich alles.

Die letzten Jahre hat die Postmoderne und die traditionell-moderne Konter-Reaktion die Wahrheit und das Vertrauen so grundlegend zerstört, dass niemand mehr weiss, wem er glauben soll.

Alle Seiten stellen Behauptungen auf und werfen der Gegenseite vor, Behauptungen aufzustellen.

Ich möchte versuchen, einige der biblisch motivierten Deutungsversuche etwas näher anzuschauen.

Jesus fordert uns auf, die Zeichen der Zeit zu deuten. Also machen wir das seit Anbeginn des Christentums. Manchmal sehr akkurat, wie als Petrus in Pfingsten die Erfüllung der Prophetie des Joel erkannte.

Manchmal liegen wir extrem daneben und müssen nachbessern. So wurde 1987 behauptet, dass Jesus 1988 zurückkommen werde. Israel, der Feigenbaum, habe 1948 wieder zu blühen begonnen, und diese Generation werde Jesu Wiederkunft erleben. Eine Generation sei 40 Jahre in der Bibel.

Offensichtlich geschah nichts. Also 1989. Oder doch erst später, nämlich 2007, 40 Jahre nach der Eroberung Jerusalems.

Im Moment wird spätestens 2048 als Jahr der Erfüllung gehandelt, da die Israeliten 400 Jahre in Ägypten waren und die Bibel das 4 Generationen nennt. Funktioniert das nicht, kann man auch die Anerkennung von Jerusalem als Hauptstadt als Startpunkt nehmen. Da ist also noch Luft.

Doch was wird zur heutigen Situation gesagt?

Wir hören alles Mögliche. Für die einen ist es das Schütteln von Himmel und Erde, welches von Haggai vorausgesagt wurde und das im Hebräerbrief 12:26 aufgegriffen wurde.

Für die anderen ist es die Erfüllung von Offenbarung 18:10, als in einer Stunde das Gericht über Babylon kam. Das wird mit dem schnellen Verlauf des weltweiten Lockdowns (über die Zeit von ca. 2 Monaten) und dem Einfluss auf die Wirtschaft gerechtfertigt.

Oder es wird gewarnt vor Offenbarung 13:16-17. Die Impfstoffe, welche weltweit obligatorisch würden, wenn man einkaufen oder reisen möchte, würden mit Nano-Chips versehen, um die Regeln durchzusetzen. Die Technologie existiert.

Ich habe ein paar Fragen:

Wenn sich hier Offenbarung 18, der Sturz von Babylon abspielt, sollten wir Christen jubeln. Es geht dem feindlichen System an die Gurgel. Leider ist es aber so, dass wir–nach derselben Interpretation der Offenbarung–niemanden mehr zu Gott bringen können, denn sie werden es hören und nicht annehmen. Nach gewissen Interpretationen sollten wir eigentlich schon gar nicht mehr hier sein.

Auf jeden Fall können wir gegen das Handeln Gottes nichts unternehmen.

Die Auslegung von Offenbarung 13 ist die Folge der Interpretation der äusseren Geschehnisse als sichtbare Erfüllung der Offenbarung als endzeitliche Prophetie. Allerdings beisst sie sich mit der vorherigen insofern, als dass im Handlungsablauf Kapitel 13 vor 18 kommt, nicht als Folge von Kapitel 18.

Zu Hebräer 12: Der Schreiber des Briefes zeigt auf, dass es zwei Berge gibt, die die beiden Bünde Gottes repräsentieren. Der erste, wo Mose das Gesetz gegeben wurde, und Zion, wo Jesus für uns starb. Er vergleicht die beiden Bünde auch mit den zwei Söhnen Abrahams.

Und in diesem Zusammenhang bringt er die Prophetie Haggais: Als Mose das Gesetz empfing, bebte die Erde. Das war bei der Schliessung des ersten Bundes.

Bei der Schliessung des zweiten Bundes erzitterte nicht nur die Erde, sondern auch der Himmel. Das ist die Erfüllung der Prophetie Haggais.

Der Schluss daraus: wir haben also ein Königreich erhalten, das nicht erschüttert werden kann.

Meiner Meinung nach, und wohl auch dem Verständnis der Zeitgenossen des Schreibers, sprach hier niemand über zukünftige Ereignisse.

Die Frage ist: Ist das auch bei der Offenbarung so?

Es gibt durchaus Interpretationen, welche die Offenbarung und die Endzeitreden Jesu in die Endzeit des Alten Bundes legen. Ich habe andere Artikel geschrieben, die diese Sichtweise etwas erläutern.

Die Offenbarung könnte auch den inneren Kampf eines jeden Christen, ja eines jeden Menschen mit sich selbst–Ego gegen wahres Ich–darstellen, den Wachstumspfad.

Was wäre dann diese Situation, in der wir uns befinden?

Es wäre die Chance für einen weltweiten Wachstumsschritt, wie er in Europa mit weltweiten Auswirkungen über die nächsten Jahrhunderte in der Folge einer Pest im Rahmen der Reformation eingeläutet wurde.

Viel Positives, aber auch viel Negatives ist daraus hervorgekommen, aber die Menschheit hat in vielen Aspekten gewonnen. Armut, Krankheit, Lebensdauer, all das hat sich verbessert.

Ein weiterer solcher Schritt, weg von reiner Machbarkeit zu mehr Solidarität, wurde in der Folge der Weltkriege und der Spanischen Grippe getan. Auch hier treibt das Ganze unmögliche Früchte, aber auch viel Gutes.

Persönlich sehe ich diese Zeit als eine der grössten Chancen der letzten Jahrzehnte, einen weiteren Schritt zu tun im Plan Gottes. Ein komplexeres, allumfassenderes Denken, das sich dem Denken Christi annähert. Gott ähnlicher werden. Das Zurückgewinnen unserer Bestimmung, Gottes Ebenbild zu sein.

Also, wir können das Ganze als unveränderbares Ereignis in der Endabrechnung Gottes anschauen, oder als Schütteln der Erde, was den Vorteil hätte, dass wir noch etwas tun könnten: uns selber vorbereiten.

Oder wir sehen es als Aufforderung zum Wachstum.

Was ich merke: zwei dieser Interpretationen machen Hoffnung, die andere verbreitet Druck und Machtlosigkeit.

Ich frage mich, ob Jesus mit seiner Aussage nicht genau auf den wichtigsten Fehler hinwies beim Erkennen der Zeichen der Zeit: Es geht nicht darum, nach draussen zu schauen und die Geschehnisse der Zeit anhand der Bibel zu interpretieren und damit gleichzeitig die Bibel anhand der Ereignisse. Es geht darum, vom Geist Gottes geleitet zu sein und die Welt zu gestalten.

Ich sehe im Moment jammernde, keifende, unsichere, verängstigte, aber auch schadenfrohe, rebellierende, Gift spritzende Menschen, die einander Lüge und Betrug, Beschränkung der äusseren Freiheiten, Verachtung von Leben (die eine Seite durch Abtreibungen, die andere Seite durch eine Höhergewichtung des Wohlstands), und Vernichtung von Wohlstand vorwerfen.

Und die Christen machen sich selbst und gegenseitig Vorwürfe, zu lasch zu sein, oder klopfen sich auf die Schultern, schon immer Recht gehabt zu haben, oder sie lassen jeden wissen, dass wir Christen gewinnen werden. Ätsch.

All dies sind weder menschenwürdige noch christliche Reaktionen. Dies ist mein persönlicher Eindruck. Wie können wir das besser machen?

Wie siehst Du das Ganze?

  • Marianne

    Wer möchte nicht einen Hort haben, eine Burg, einen zuverlässigen Partner in unsicheren Zeiten? Wer sehnt sich nicht nach unverbrüchlicher Treue, nach einem Boot, das in keinem Sturm untergeht? Dieses Bedürfnis nach Sicherheit sehen wir bei den Kindern. Doch als Erwachsene haben wir die Möglichkeit, uns eigene Sicherheiten zu schaffen, vermeintliche Sicherheiten. Sie zeigen sich in Ausbildung, Job, Karriere, Geld, Sport, Geschäft ,usw.. Wir verlassen uns auf Konstanten, die wir zum grösseren Teil erarbeitet haben oder die uns auch geschenkt wurden. Vielleicht sind wir dankbar für all das Gute, das wir erleben dürfen und geben diese Haltung auch an unsere Kinder weiter. Vielleicht teilen wir mit anderen, denen es schlechter geht. Wir haben unser Menschsein nicht vergessen.
    Die jetzige Zeit aber, die weltweit alles über den Haufen wirft, woran wir bis jetzt geglaubt und festgehalten haben, stellt uns alle vor existentielle Fragen, auf die wir, ob gross oder klein, kaum Antworten haben. Tag für Tag, Woche für Woche zu leben, ist zur Regel geworden. Sicherheit, Zuverlässigkeit? Sie scheinen sich in Luft aufgelöst zu haben. Sogar dien Kindern bleiben wir Antworten schuldig.
    Wie stelle ich mich als Christin, als die ich seit 38 Jahren bewusst lebe,, zu dieser Lage, in der wir uns befinden? Ich liebe Jesus, ich liebe Gottes Wort, den Heiligen Geist. Ich liebe Gott als Vater, in dem ich meinen Ursprung sehe. Gott lebt in mir, ist aber auch mein Gegenüber. In dieser Corona Zeit ist er nicht plötzlich verschwunden, hat sich nicht in Luft aufgelöst.. Seine Liebe zu uns Menschen hat sich nicht verändert, denn er ist treu. Persönlich empfinde ich, dass er als Vater, als Schöpfer um uns Menschenkinder wirbt. Das mag eigenartig klingen, angesichts der Turbulenzen und dem Chaos, das überall herrscht. Ja, ich meine, er selbst zerstört unsere aufgebauten Sicherheiten. Er handelt so wie wir es tun, wenn wir Kinder vor grossem Schaden bewahren wollen und ihnen den eingeschlagenen Weg abschneiden. Und wenn wir mit geöffneten Augen auf viele Wege schauen, die in den vergangenen Jahrzehnten vom modernen Menschen eingeschlagen wurden , dann sind manche furchteinflössende, abartige, dem Menschen unwürdige Wege dabei. Ich mag sie hier nicht aufzählen, weiss aber um sie.
    Mit der apokalyptischen Texten der Bibel beschäftige ich mich nicht sehr intensiv. Ich kenne die Offenbarung und finde manche Bilder eindrücklich , mich auch beeindruckend. Eindeutige Interpretationen derselben sind mir jedoch zuwider. Trotzdem lasse ich sie nicht ausser acht, beobachte ihre Mahnungen , ihre möglichen Zeichen in der Zeit.
    Meine persönliche Ausrichtung zielt jedoch auf die Zeit nach der Krise. Wie kann ich mich darauf vorbereiten? Was wird dann wichtig sein, was verändernde Kraft haben? Aus einer Eingebung zusammengefasst: In den kommenden Rezessionszeiten wird das jetzt aufgebaute Reservoir an Liebe, sowie Gott liebt, zählen, weil es gebraucht werden wird. 1.Kor.13/13 sagt. Nun aber bleibt Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; die Grösste aber von diesen ist die Liebe.

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