Jesus aber sagte: »Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.« Lukas 23:34

Ostern ist hauptsächlich Tradition, und mit Tradition habe ich meine Probleme. Das ist auch auf meine Persönlichkeit zurückzuführen: Ich sehne mich nach dem Neuen.

Auf Deutsch: Ich überlege mir oft, ob eine Tradition richtig verstanden wird, ja noch zeitgemäss ist.

Ich weiss um und glaube an die Wichtigkeit von Ostern: es ist der Dreh- und Angelpunkt der Geschichte der Menschheit. Aber ich frage mich, warum es das ist.

Früher glaubte ich, dass der Zorn Gottes sich konzentriert auf seinem Sohn entladen hat, der alle unsere Sünden auf sich nahm. Gott hat demnach keinen Zorn mehr, und kann uns gerecht richten. Wer an ihn glaubt, dem wird vergeben, der andere empfängt seine gerechte Strafe.

Was mich daran beschäftigt: Ist Gott nun Liebe? Verträgt sich Zorn mit Liebe? Zorn, der sich in einem Mord ausleben muss?

Ist Gott Liebe? Verträgt sich ein Plan mit Liebe, der dazu führt, dass Blut fliessen muss? Die Bibel sagt uns, dass Blut zur Vergebung der Sünde fliessen muss. Warum? Ist Gott zu dieser Lösung gezwungen? Und wenn er dazu gezwungen ist, ist er dann wirklich allmächtig, oder unterliegt er einem höheren Gesetz?

Ist Gott Liebe? Wendet er sein eigenes Prinzip an von Auge um Auge, Zahn um Zahn, wenn er einen Ungläubigen wegen einem Leben von 80 Jahren und einer unterlassenen Entscheidung zu ewiger Verbannung und Qual verurteilt?

Wenn die Entscheidung auf Seite von Gott liegt, dann ist er nach unseren Massstäben sicher nicht Liebe. Natürlich können wir immer sagen, dass seine Gedanken höher sind als unsere Gedanken, aber unsere Massstäbe der Ethik scheinen doch höher zu sein als die hier aufgeführten.

Auch können wir natürlich die Bibel auch dahingehend auslegen, dass die Strafe nicht ewig dauern wird, sondern äonisch ist, also zeitlich begrenzt: eine weitere Chance. Aber das ist heute nicht das Thema.

Wenn aber die Entscheidung auf unserer Seite liegt?

Was, wenn Gott nicht derjenige war, der die Todesstrafe für Sünder forderte? Was, wenn dieser Wunsch tief in uns verwurzelt ist? In Krimis wird immer wieder versprochen, die Täter zu bestrafen, und dies solle als Genugtuung und Wiedergutmachung, als Linderung des Leids dienen.

Wie, wenn wir erwarten, dass Sünde bestraft wird? Wie, wenn wir uns selbst nicht vergeben können, ohne dass wir bestraft werden? Was, wenn Jesu stellvertretender Tod es uns ermöglichen soll, uns selber und uns gegenseitig zu vergeben? Und so wieder zu Gott zu kommen?

Jesus hat das Gesetz erfüllt. Das Gesetz wurde um unseretwillen gegeben: wir sollten lernen, miteinander zu leben. Wir verstanden das Gesetz so, dass es uns unsere Schuld aufzeigte. Das ist richtig, und wird von Paulus im Galaterbrief auch so gesagt. Aber es greift zu kurz.

Warum geben wir unseren Kindern Regeln? Damit sie sich schuldig fühlen? Eher, damit sie sich richtig zu verhalten lernen. Wir verwenden das Schuldgefühl, das Gefühl des Versagens als ein starkes Mittel der Korrektur. Dadurch bilden sich Massstäbe für Richtig und Falsch und das Gewissen aus. Ein sehr krudes Mittel, aber in gewissen Situationen ein notwendiges. Eines, das Gott uns ersparen wollte: esst nicht vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse.

Wir erwarten von unseren Kindern übrigens immer noch, dass sie sich an die Regeln halten – obwohl uns Gott gezeigt hat, dass es der Mensch nicht kann. Er braucht Gottes Hilfe und Gnade dafür. Aber darauf muss der Mensch – als Menschheit und als Individuum – erst mal kommen.

Daher gab uns Gott eine Zeit, in der wir als Menschheit unter dem Gesetz standen – von Mose bis Jesus. Und er gibt uns als Individuum eine Zeit, in der wir unter dem Gesetz stehen, bis wir reif werden für das Gesetz der Gnade.

Wir integrieren das Gesetz, welches uns jetzt auf unser Herz geschrieben ist, und leben aus Glaube und Gnade.

Jesus hat dieses Zeitalter der Gnade gebracht, indem er dem Gesetz gestorben ist. Wir sind dem Gesetz gestorben und auferstanden in Gnade.

Doch warum war der Tod notwendig? Weil er vom Gesetz gefordert wurde? Noch einmal, steht den das Gesetz über der Gnade? Steht es über Gott? Ist Gott dem Gesetz untertan?

Das Gesetz hat uns gelehrt, miteinander zu leben. Es bot dem Recht des Stärkeren, dem puren ausgelebten Egoismus Einhalt. Und es hat uns so geprägt, dass die Erkenntnis um unsere eigene Schuldhaftigkeit uns aufzeigen scheint, dass eine Strafe unausweichlich ist. Und wir kennen diese Strafe: schon die Geschichte vom Fall sagt uns, dass Ungehorsam unweigerlich zum Tod führt.

Diese Prägung muss durchbrochen werden. Der stellvertretende Tod ist unser Ausweg, uns selbst und anderen zu vergeben. Liebe und Vergebung aus Gnade. Diese Liebe hat Gott dazu gebracht, sich selbst für uns hinzugeben, damit wir frei werden. Frei nicht von seinem Zorn, sondern frei von der Lüge und der Macht der Sünde: dass wir gewisslich sterben müssen, dass es ohne Strafe keine Vergebung gibt.

Was ist stärker: ein Leben in Freiheit, welches aus Dankbarkeit Gott, das Leben und den Anderen achtet und liebt? Oder ein Leben, welches aus Angst und Gehorsam die Regeln einhält?

Wer sein Leben hingibt für den anderen, wird das Leben gewinnen, während der, der sein Leben durch Gehorsam, Strafvermeidung und aus Angst zu retten sucht, es verlieren wird.

Wir haben Ostern verschuldet, weil wir so sind, wie wir sind. Nicht weil Gott uns so nicht lieben konnte. Sondern weil er uns da nicht belassen wollte: in der Gefangenschaft des Gehorchen müssen, der Angst, des Gesetzes und der Sünde.

Doch hätte Gott dies alles nicht verhindern können? Hätte er nicht einen Menschen mit einer anderen Natur und Neigung schaffen können?

Da vertraue ich auf Gott: er wünscht sich ein Gegenüber, eine Ergänzung seiner Gemeinschaft, den Vierten im Bunde. Er hat den perfekten Weg gefunden, dieses Ziel zu erreichen.

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