Jeder von uns hat ein dominantes Wertesystem, eine Weltanschauung, mit der er die Welt erklärt. Wenigstens das Meiste davon.

Doch Lebensbedingungen ändern sich.

Eine Weltanschauung, ein sogenanntes wMem, stösst selber gewisse Veränderungen an, für die sie selber keine Lösungen anzubieten hat.

Nehmen wir das orange wMem. Als dem Menschen klar wurde, dass er als Individuum und nicht nur als Teil der Gesellschaft einen Wert hat, wollte er diesen Wert auskosten und verwirklichen.

Der Mensch entwickelte einen Durst, ein Bedürfnis nach Erfolg. Als Individuum durfte er sich entwickeln, seine Stärken zum Einsatz bringen, Erfolg haben und das Machbare ausloten.

In den letzten 200 Jahren, in denen im Westen dieses wMem — wir nennen es Moderne — einen bestimmenden Anteil an der Gesellschaft hatte, löste es einen technologischen Boom sondergleichen aus.

Es entwickelte aber auch einen zerstörerischen Machbarkeitswahn, der zu solch kleinen Problemen wie Erderwärmung und Klimawandel, Flüchtlingsströmen, sozialem Gefälle durch Ausgrenzung der Erfolglosen und mehr führte.

Ähnliches könnte für jedes der wMeme gezeigt werden.

Ein wMem schafft also Probleme, die es selber nicht lösen kann. Ohne Veränderung geschieht also folgendes:

Es gibt ein Modell der Veränderung, welches erklärt, wie wir auf sich verändernde Lebensumstände reagieren.

Zuerst befinden wir uns in einem wMem und fühlen uns darin sehr wohl. Nennen wir es α.

Doch nach einer gewissen Zeit gibt es erste Regenschauer. Gewisse Dinge scheinen nicht mehr ganz zu stimmen, es ist nicht mehr so wohlig bequem. Diesen Zustand nennen wir β. Kleinere Anpassungen oder einfaches Ignorieren helfen, zurück nach α zu kommen.

Irgendwann sind die Gewitterstürme aber grösser und wir können nicht mehr so einfach zurück. γ ist erreicht. Es geht aber auch nicht einfach vorwärts. Die alten Denkmuster und die falschen Vorstellungen dessen, was kommen wird, versperren uns den Weg wie eine Wand.

Jetzt haben wir zwei Möglichkeiten: wir verweigern uns dem Neuen und fallen zurück in Muster, die wir bereits lange hinter uns gelassen haben: Regression. Wir suchen Schutz in wMemen, die wir früher als wertvoll empfunden haben. Da war die Welt noch in Ordnung.

Oder wir brechen durch die Mauer dem Neuen entgegen: Revolution.

Nach dem Durchbruch richten wir uns auf das neue wMem aus. Diese Phase nennen wir δ. Sie führt in ein neues α und somit eine neue Stabilität.

Menschen mit einer hohen Veränderungsbereitschaft kennen eine Abkürzung: Flex. Sie führt von β direkt und ohne Blockade, Revolution, und Gefahr von Absturz ins neue α.

Können wir den Veränderungsprozess in anderen erzwingen? Oder wenigstens anstossen?

Nein, aber wir können Lebensbedingungen schaffen, die sie darin unterstützen, den Prozess zu beginnen.

Dieser Prozess beschreibt auch kleinere Veränderungen, welche nicht in ein neues wMem führen. Was aber sicher ist: es ist fast schon ein Big Bang, wenn dabei wMeme übersprungen werden. Dies ist nur möglich, wenn das übersprungene wMem in der Gesellschaft und im Einzelnen bereits angelegt war.

Hier eine Zusammenfassung:

Veränderungsprozess

Alpha (α) – Ordnung. Gesunde dynamische Spannung zu den vorherrschenden Lebensbedingungen

Beta (β) – Zweifel am Alten. Zuerst versuchen wir, mehr vom Üblichen zu tun. Das verstärkt die ängstliche Beta-Phase.

Gamma (γ) – Chaos. Entweder wir finden den Ausweg durch eine Reformmöglichkeit, oder wir stecken in der Falle.

Delta (δ) – Aufschwung in Richtung des neuen Systems. Doch Achtung: nur, weil ich los wurde, was alt war, heisst nicht, dass ich ergriffen hätte, was neu ist.

Alpha (α) – Konsolidierung in einer neuen Phase der gesunden dynamischen Spannung – die Welt ist in Ordnung.

Flex – die Abkürzung von β nach dem neuen α für Veränderungswillige.