Menschen mit einem stark ausgeprägten Selbstbewusstsein sind davon überzeugt, dass sie ihr Leben meistern werden. Sie verfügen über eine Art inneren Kompass, aus dem sie die Zuversicht beziehen, dass ihre Entscheidungen richtig sind.

Wieder beginne ich mit der Definition von Gallup.

Tief in mir drin weiss ich, dass ich recht habe und auf dem rechten Weg bin. Das gibt nicht nur mir Sicherheit, sondern auch meinem Umfeld. Wenn jemand weiss, was er will und wer er ist, ist das anziehend.

Es ist aber auch nicht schwer, die darin verborgenen Schwierigkeiten und möglichen Schattenseiten zu entdecken: Narzissmus und Sturheit drängen sich auf. Es ist wichtig, gerade mit dieser Stärke ein belehrbares Herz zu bewahren.

Das ist gerade deshalb wichtig, weil mir diese Stärke dann Energie bringt, wenn ich meine Überzeugungen, meine Botschaft teile. Evangelisation aus Überzeugung.

Zusammenspiel meiner Talente

In meiner eigenen Jugend hat dieses Talent in seiner Rohform dazu geführt, dass ich sehr zufrieden sehr einsam und allein war. Ich genügten mir selbst und wusste, was die anderen verpassten, wenn sie mit mir keinen Umgang wollten.

Meine Vorstellungskraft, Wissbegier, mein Intellekt und die Zukunftsorientierung liessen mich zu einer sehr nach innen gerichteten Person werden. Wenn mir aber jemand zuhörte, übergoss ihn ein Schwall an Ideen, bis er oder sie davon gespült wurden.

Strategische Lösungen, verbundene systematische Betrachtungen, analytische Faktengenauigkeit, und eine grosse Sammlung an Wissen prasselten auf meine armen „Gegenüber“ ein.

Rohzustand. Die Reaktionen nagten aber doch an mir und liessen das Talent Selbstbewusstsein sich tief in mich hinein zurückziehen.

Ich wusste immer noch, dass ich recht hatte – mehr denn je. Aber die starke Seite dieses Talent konnte sich nicht mehr zeigen: anderen Sicherheit zu geben durch die eigene Sicherheit.

Der Weg zurück

In meinem Beruf – Programmierer, Projektleiter, CTO, Softwarearchitekt – konnte ich das immer noch. Dies war ein Heimspiel. Die Informatik machte es notwendig, ständig Neues zu lernen. Als Softwarearchitekt durfte ich meine Vorstellungskraft und Strategie voll ausleben, als Programmierer analytisch tätig sein. Als CTO wurde meine Fähigkeit, die Zukunft gestalten zu können, gefordert.

Als Pastor war ich in einem vollständig anderen Umfeld. Die Zukunft war vorgegeben – es wird schlimmer, bis wir in den Himmel kommen. Denken überliessen wir Gott, und die geforderten Stärken wie Einfühlungsvermögen und Harmoniestreben waren tief in meinem blinden Punkt. Ich übertreibe, aber so kam es mir vor.

Ich lebte ein zerrissenes Leben – in meinem Beruf durfte ich meine Stärken ausleben, in meinem Privatleben und der Gemeinde nicht. Und es war mir klar: das Leben, das ich in der Gemeinde führte, war das Richtige.

Bis ich in eine echte Identitätskrise kam.

Die Informatik in der Schweiz entwickelte sich zu einem langweiligen, sicheren Job, in dem absolut risikolos die immer gleichen Probleme mit sich stetig verändernden Werkzeugen neu gelöst wurden, gut und sicher bezahlt von der Finanzindustrie, Versicherungen und der Wirtschaft. Ich war meines Spielfelds beraubt.

Endlich erkannte ich, wieviel Energie und Lebensfreude ich aus meinen Stärken erhielt. Der Clifton StrengthsFinder (CSF) erlaubte mir nun eine wunderbare Einsicht:

Dies war, wie Gott mich geschaffen hatte. Ein bisschen weniger religiös: Offensichtlich waren die Dinge, die ich gut tat, relevante Stärken. Das hiess, dass auch andere diese Stärken hatten, und zwar statistisch genügend, dass ein Test sich damit befassen würde.

Notwendig

Der CSF sucht nach Exzellenz in Teamwork. Dabei hat Donald Clifton festgestellt, dass wir am besten zusammenarbeiten, wenn wir unseren Stärken gemäss eingesetzt werden und die Stärken unserer Teammitglieder kennen.

Stärken, welche nur sehr selten vorkommen, sind in dieser Betrachtung nicht wichtig. Wenn nur einer in einer Million eine gewisse Stärke aufweist, ist die Chance sehr klein, dass diese Stärke gerade in meinem Team vorkommt.

Wenn der CSF also meine Stärken aufführte, waren sie statistisch signifikant und relevant. Es gab genügend Menschen mit eben diesen Stärken in anderen Kombinationen.

Wenn es aber genügend Menschen gab mit diesen Stärken, dann waren sie für das Gesamtbild notwendig.

Hinreichend

Auf der anderen Seite hatte aber auch nicht jeder eine Vorstellungskraft, wie ich sie hatte – oder die intellektuellen und analytischen Fähigkeiten. Das bedeutete: es brauchte mich.

Das Konzept von CSF, das Menschen weniger in ihren blinden Punkt investieren als sich vielmehr in diesen Bereichen ergänzen sollten durch darin begabte Menschen sagte noch etwas mehr: ich genügte.

Denn Gott hatte genug Menschen mit Einfühlungsvermögen und Harmoniestreben, um mich zu ergänzen. Die Gemeinde floss geradezu über mit solchen Menschen.

Das erlaubte mir, meine Stärken in die Gemeinde einzubringen und diese Menschen endlich zu ergänzen.

Mein Selbstbewusstsein durfte wieder an die Oberfläche zurück.

Führen mit Selbstbewusstsein

Ich bringe anderen Menschen Sicherheit, denn sie vertrauen mir. Wenn ich von etwas überzeugt bin, bringe ich es mit Überzeugung rüber. Aber die Menschen wissen, dass all dies gut durchdacht und recherchiert ist. Ich äussere, wenn ich führe, nichts leichtfertig.

Oder etwa doch? Je mehr ich Vorstellungskraft, Zukunftsorientierung und Intellekt, aber auch die Behutsamkeit wieder zulasse, desto öfter werden Ideen und Konzepte, die ich mal in den Raum stelle, als sicher und definitiv angesehen – weil sie mit solchem Selbstbewusstsein rüberkommen. Hier muss ich deklarieren, in welchem Modus ich bin.

So können mir Menschen vertrauen. Ich bringe Stabilität in einem sich stetig verändernden Umfeld, und ich schaffe Hoffnung, gerade weil ich mir so sicher bin.

Fazit

Ich darf so sein, wie ich bin – einzigartig und wunderbar gemacht. Und nicht nur ich weiss, dass das zutiefst richtig ist.

Und Du?