Eine Kultur der Ehre

›Nicht durch Gewalt und Kraft wird es geschehen, sondern durch meinen Geist‹, spricht der Herr, der Allmächtige. Sach 4:6

So etwas mache ich sehr selten: eine Buchbesprechung. Doch heute ist es so weit. Hier eine Zusammenfassung und Betrachtung des Buches „Eine Kultur der Ehre“ von Danny Silk. (Der Link geht zu Amazon.de und ich verdiene nichts an diesem Link.)

Im Buch geht es um einen anderen Ansatz, wie die Gemeinde mit Herausforderungen umgehen kann: vom Himmel her, statt irdische Probleme mit weltlichen Ansätzen zu lösen.

Was meine ich damit?

Die Gemeinde wurde in den letzten Jahrhunderten entweder von Priestern und später von Pastoren, Lehrern, Evangelisten und Administratoren geleitet. Hier fehlen zwei Ämter nach Ephemeren 4:11-16, nämlich der Apostel und der Prophet.

Aufgabe von Apostel und Prophet ist es, die Kultur des Himmels auf Erden zu etablieren. Der Apostel ist, entsprechend seinem historischen Vorbild im römischen Reich, mit der Aufgabe betraut, nach einer Landeinnahme die vorherrschende Kultur durch die des Himmels (oder bei den Römern, diejenige von Rom) zu ersetzen. Der Prophet spricht Gottes Thema in diese Situationen hinein.

Ohne diese beiden Dienste – so zeigt Danny Silk in Kapitel zwei auf – bleiben die anderen Dienste in der irdischen Kultur haften. Diese Kultur löst irdische Probleme mit irdischem Verständnis.

Das Beispiel im ersten Kapitel zeigt den Unterschied sehr deutlich auf. Ein Studentenpaar, welches sich bereits verlobt, aber noch nicht geheiratet hatte, erwartete nach den Sommerferien ein Kind.

Die irdische Lösung: entfernen der Studenten aus der Schule, eine angemessene Bestrafung und ein Prozess zur Rückführung in einen Dienst, wenn möglich an einem anderen Ort.

Die Begründung: Schutz der anderen und Wiederherstellung der Gefallenen.

Der himmlische Ansatz: Reue und Umkehr herbeiführen, aufräumen wo notwendig, und Vergebung.

Die tieferen Ursachen mussten erkannt und bereinigt werden, damit dafür Busse getan und die Heilung des Heiligen Geistes fliessen konnte. Daraus floss Vergebung.

Alle Personen, welche durch das Problem direkt betroffen waren, mussten davon erfahren (der Babybauch war nicht zu verstecken, und in dem Fall waren Verwandte, der eigene Jahrgang in der Schule, aber auch die neuen Schüler des nachkommenden Jahrgangs, welche die älteren Studenten als Vorbilder sahen, betroffen). Hier musste Offenheit, Vergebung und Segen fliessen.

Danach nahmen die beiden an der weiteren Ausbildung teil. Es war vergeben. Sie trugen die Konsequenzen – sie hatten bald ein Kind. Dieses Kind wurde später noch sehr krank, als ob gesagt werden sollte: du bist nicht wert zu leben, denn du bist in Sünde geboren. Doch auch darauf erstreckte sich die Vergebung, und durch Gebet wurde das Kind gesund.

Mehrere weitere Beispiele im Buch verdeutlichen den Ansatz, z.B. in Kapitel vier David, Bathsheba und Nathan, die Ehebrecherin und Jesus, aber auch ein Anbetungsleiter und seine Frau. In allen diesen Fällen war Busse und Vergebung notwendig und hinreichend. Wie drückte es Jesus aus? Gehe hin und sündige nicht mehr.

Kapitel drei zeigt auf, dass wir nicht mehr bestrafbar sind. Denn wir sind nicht mehr in einem Bund, der uns Regeln auferlegt, sondern in einem Bund der Herzensbeziehung mit Gott in uns durch den Heiligen Geist.

Kapitel fünf zeigt auf, wie eine solche Kultur der Ehre, der Vergebung und der Verantwortung, der Beziehung aufgebaut werden kann.

Indem ich mein Gegenüber ernst nehme. Ich ehre die Person, indem ich ihr einen freien Willen zugestehe, Verantwortungsbewusstsein, und die Fähigkeit, gute Entscheidungen zu treffen und auf Gott zu hören. Illustriert wird dies z.B. mit der Entscheidung des Sohnes von Danny Silk, an eine öffentliche Schule zu wechseln, um Football spielen zu können – mit allen kulturellen Herausforderungen, die sich daraus ergaben – und dem grossen Vertrauen, das seine Eltern in ihn setzten. Sie kommunizierten ihm, wie sehr sie Angst hätten und auf seine Mitarbeit in dem Ganzen angewiesen wären – und banden ihn somit ein, als vollwertiges Mitglied.

In Kapitel 6 geht es darum, dass es die Aufgabe der Leiterschaft ist, einen sicheren Ort zu schaffen. Die ständige Erwartung von Strafe und Verbannung schafft dies nicht. Eine Kultur, in der der Andere geehrt wird, hingegen schon. Zu oft haben die Menschen Angst vor Leitern, denn diese können verletzen. Wenn wir aber Angst gelernt haben, kommen wir nicht in die Freiheit. Liebe ohne Vorbehalte aber treibt die Angst aus.

Ehre beschützt den Wert des Gegenübers. Auch wenn dieser anders ist. Hier der Link zurück zum fünffachen Dienst in Kapitel zwei: gerade die himmlische Kultur, wie sie von Apostel und Prophet an die Lehrer und die anderen Dienste weitergegeben wird und von dort in die Gemeinde fliesst, erlaubt es, den anderen mit den Augen Gottes zu sehen und zu ehren.

So werden Menschen frei.

Freie Menschen sind schwer zu leiten. Die Freiheit, das ein Kind eigene Entscheidungen, ja falsche Entscheidungen treffen darf, löst bei den Eltern Angst aus. Ausser sie ehren das Kind und seine Beziehung zu Gott (Anmerkung: Bei allen Beispielen von Danny geht es um Teenager oder Erwachsene. Menschen müssen in diese Freiheit geführt werden und brauchen dazu ein entsprechendes Wertesystem.)

Aus dem Gesagten ergibt sich die Aussage von Kapitel 7: Ziel einer Konfrontation ist die Wiederherstellung einer Beziehung.

Zuerst ist es wichtig, dass ich weiss, dass ich den anderen nicht kontrollieren muss und darf, ja eigentlich nicht einmal kann.

Dann zeige ich auf, was die Konsequenzen des Fehlverhaltens sind. Nicht die Bestrafung – die gibt es nicht mehr.

Danach mache ich dem Gegenüber klar, was er vergessen hat: dass er wertvoll ist, geliebt, einzigartig und wunderbar, dass ihm vergeben ist.

Und jetzt kann ich eine Einladung zur Vertiefung der Beziehung aussprechen.

Zuletzt biete ich Hilfe an, um in den Gebieten Hand zu bieten, die noch Kraft und Gnade brauchen. Doch der Druck zur Veränderung muss von innen kommen und kann nicht auferlegt werden. Äusserer Druck bringt Widerstand oder stellt eine Bestrafung dar.

Im letzten Kapitel geht es darum, eine solche Kultur der Ehre einzuführen. Es geht darum eine Revolution auszulösen („Wir haben genug.“), damit eine Reformation eingeleitet („Wir korrigieren  und verbessern, um Missbrauch zu verhindern.“) und eine Transformation ausgelöst werden kann („Wir verändern das dramatisch und konsequent.“).

Dazu gehört auch der Wechsel des Leiterschaftsmodells. Heutige Leiter fokussieren auf die falschen Dinge, um diesen Prozess auszulösen:

Der Pastor fokussiert sich auf Menschen, der Administrator auf Dinge und Prozesse, der Lehrer auf Doktrin und der Evangelist auf die Rettungsbotschaft.

Worum geht es also: Dass es den Menschen, die wir bereits haben, gut geht, die Programme funktionieren, alles im biblischen Rahmen und in der Lehre der Denomination abläuft, und neue Menschen dazu kommen. Damit wir irgendwann in den Himmel kommen.

Apostel fokussieren auf den Himmel und Propheten auf die Geisteswelt. Dadurch kehrt sich der ganze Fokus um. Lehrer erklären neu den Himmel, und Menschen wirken wieder Wunder. In diesem Rahmen wird der pastorale Dienst neu definiert, genauso wie die Administration und die Evangelisation. Damit der Himmel auf die Erde kommt.

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