Behutsamkeit

Der Name meines nächsten Talents ist erklärungsbedürftig. Zu schnell führt der Name zu der Assoziation, dass ich mich ziere, überhaupt etwas umzusetzen. Vorsicht kommt in den Sinn, Zurückhaltung.

Auf Englisch heisst das Talent Deliberative. Genauer wäre eine Übersetzung: mit Bedacht. Eine Umsetzung geschieht also mit Bedacht, erst, wenn etwas gut durchdacht wurde.

Gallup beschreibt das Talent so:

Menschen mit einem aussergewöhnlich stark ausgeprägten Talent für Behutsamkeit kann man an der Ernsthaftigkeit erkennen, mit der sie Entscheidungen treffen. Schwierigkeiten erkennen sie bereits im Voraus.

Das birgt einige Stolpersteine:

Wird mir eine Idee präsentiert, erkenne ich sofort die damit verbundenen Risiken und Schwierigkeiten. Für mich ist es wichtig, diese in den Umsetzungsplan mit zu integrieren. Ansonsten erscheint mir eine Umsetzung als zu kritisch und aus dem Handgelenk.

Oft werde ich als entscheidungsunfreudig tituliert. Es geht lange, bis ich eine Entscheidung fälle, und ich bin durchaus gewillt, darauf zurückzukommen. Wenn die Entscheidung dann allerdings gefällt ist und die Umsetzung beginnt, sind die Pläne derart gestaltet, dass das Projekt zum Erfolg wird. Sollten Risiken tatsächlich eintreten, wurden sie bereits einberechnet und entsprechende Massnahmen geplant.

Oft werde ich als Innovationskiller empfunden. Interessiert mich eine Idee, ein Projekt oder ein Konzept, brauche ich nur wenig Zeit, um eine Schwachstellenanalyse durchzuführen. Ich finde mögliche Verbesserungen und Risiken und teile diese sofort mit. Leider führt dies dazu, dass Ideen oft aufgegeben werden. Hätte ich die Idee aber nicht faszinierend gefunden, hätte ich nichts dazu gesagt oder sie generisch gelobt. So aber will ich frühzeitig die möglichen Schwachstellen eliminieren, damit die Idee zum Fliegen kommt.

Menschen sind so schwierig, und mir fehlt die Empathie.

In früheren Versionen des Clifton StrengthsFinder wurde das Talent Behutsamkeit in der Domäne Strategisches Denken geführt. Dies wurde geändert, weil es am Schluss doch um die Umsetzung geht. Analytisch ist das Talent, welches eine Idee voll durchdenkt.

Mit all meinen anderen Talenten verschiebt sich allerdings der Fokus doch wieder Richtung Strategisches Denken, und meine Talentkombination macht es schwierig, tatsächlich etwas umzusetzen.

Es sei denn, das Konzept gilt als Produkt.

Ganz im Sinne von CSF muss ich ein Projekt nicht von A bis Z begleiten. Ich darf mich – und im meinem Fall, soll mich – mit Menschen umgeben, die in Umsetzung stark sind.

Verstehen diese Menschen dann noch meine Motivation in der Behutsamkeit, kann ein schlagkräftiges Team entstehen.

Zusammenspiel meiner Stärken

Innovation und Kreativität bergen Risiken. Deshalb die geplante, bedachte Umsetzung.

Um Neues zu verarbeiten, brauche ich Musse, Zeit, und Einsamkeit.

Meine Wachsamkeit, Voraussicht, Reflexion bringen Risiken zum Vorschein.

Als Visionär bin ich Idealist, und doch berechne ich die Kosten. Meine Visionen sind unkonventionell, aber nicht utopisch.

Selbst kleine Entscheidungen beeinflussen das Ganze. Also Vorsicht.

Ich habe genug Selbstvertrauen, um Risiken einzugehen, wäge sie aber im vornherein sorgfältig ab. Dann bin ich bereit, wenn sie eintreffen.

Ich brauche Zeit, jemandem wirklich zu vertrauen, und wäge ab, mit wem ich dieses Wagnis eingehen will. Ich muss jemanden schon gut kennen.

Und obwohl ich leidenschaftlich weiss, was gut für mich ist, ist es doch weitgehend meine Sache. Darum bin ich Lehrer in einer Gemeinde, in der die Leute meine Werte teilen, und kein Evangelist, der andere bekehren will.

Führen mit Behutsamkeit

Obwohl meine Behutsamkeit oft nicht so zum Vorschein kommt, da meine anderen Talente schnelles Denken erlauben – ich brauche kaum Zeit, die Risiken zu erfassen und einzuberechnen -, führt gerade dieses Talent dazu, dass andere mir vertrauen. Sie wissen, dass meine Konzepte standhalten und aufgehen.

Die in der Konzeptphase zusätzlich eingeplante Zeit erlaubt eine schnellere Umsetzung.

Dies bildet Vertrauen, sofern die Menschen bereits ein Projekt mit mir durchlebt haben.

Wenn ich mich entschlossen habe, jemanden in mein Leben zu lassen, bleibe ich auch dabei. Loyalität und Treue sind mir wichtig, und ich habe das resultierende Risiko bereits im Voraus abgewogen.

Ich lobe selten. Um so mehr ist es Wertung wird wertgeschätzt, wenn ich es tue. Hier kann ich sicher noch mehr tun, ohne manipulativen oder oberflächlich zu werden.

Ich bringe Stabilität in eine Situation, weil die Risiken bereits bekannt sind – und die notwendigen Lösungen. Dies erlaubt es meinen anderen Talenten, Änderungen zu initiieren.

Wenn ich anderen sage, welche Varianten und Optionen ich durchdacht habe, steigert das ihr Vertrauen in den Plan.

Wo fühle ich mich wohl

Schnelle Entscheidungen liegen mir nicht. Ich brauche Zeit und Raum, um eine Idee, eine Entscheidung abzuwägen. Meine Vorstellungskraft, Intellekt und Zukunftsorientierung werden sofort mit Varianten, Optionen, Risiken, Schwachstellen aufwarten, Modelle entwickeln und Parallelen ziehen, meine Talente Wissbegier, Analytisch und Ideensammler sofort mehr Daten einfordern. Doch eine Entscheidung braucht Zeit. Am Liebsten überlasse ich sie anderen. Ich bin ein typischer Coach, Berater und Researcher.

Als zweiter Mann in einer Organisation, als Stratege und Visionär, aber auch als Lehrer fühle ich mich am richtigen Platz. Ich mache Konzepte und Vorschläge. Aber ich führe nicht. Nicht direkt. Wenn ich überhaupt ein Leader bin, dann ein Thought Leader.

Wie zeigt sich ihre Behutsamkeit?

7 Antworten auf „Behutsamkeit“

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