Wiederherstellung

Menschen mit einem stark entwickelten Talent zur Wiederherstellung gehen geschickt mit Schwierigkeiten aller Art um. Schnell finden sie heraus, was schief läuft und beheben das Problem im Handumdrehen.

So beschreibt Gallup die Stärke Wiederherstellung.

Wiederherstellung löst fürs Leben gern Probleme. Wo andere Menschen unglücklich sind ob all der Schwierigkeiten, blüht Wiederherstellung auf.

Manchmal ist das schwierig, denn einem Menschen mit Wiederherstellung fällt sofort auf, was nicht funktioniert. Hat er jetzt nicht die Freiheit oder Autorität, diesen Fehler zu beheben, bereitet ihm das Probleme.

Es kommt auf die Person und die umliegenden Stärken an, ob eine Person ganz praktische Probleme löst, Beziehungen stärkt, persönliche oder geistliche Probleme angeht.

Einige werden gerne Probleme suchen, die sie aus der Vergangenheit kennen, andere lieben neue Herausforderungen.

Ein Beispiel:

IBM hatte einen neuen Grosscomputer entwickelt, der leider gerne überhitzte und sich dann abschaltete. Ein Team von Ingenieuren war damit beschäftigt, als ein IBM Fellow – eine Person, die schon einige Probleme gelöst hatte und darum in Jeans und T-Shirt mit Goldketten herumlaufen durfte in einem Umfeld von Menschen in blauen Anzügen – vorbeikam, verschwand, und mit einem billigen Tischventilator an der richtigen Stelle platziert das Problem löste.

Wiederherstellung in Reinkultur.

Ein zweites Beispiel:

Ich arbeitete für eine Firma, die von 7 Wartungstechnikern und einem Programmierer gegründet wurde. Die Software hatte eklatante Mängel. Diese durften jedoch nicht behoben werden, da die Wartungstechniker mit den seit Jahren bekannten Work-Arounds glänzen konnten. Wiederherstellung in ihrer unreifsten Form, absolut auf der Schattenseite.

Abgrenzung gegen andere Talente

Wiederherstellung löst gerne Probleme, während Behutsamkeit diese von vornherein verhindert, indem sie die Risiken voraussieht.

Positive Einstellung auf der anderen Seite sieht das Problem nicht als Problem und geht ihm aus dem Weg.

Anpassungsfähigkeit findet neue Wege, wenn ein Problem auftaucht.

Schatten- und Sonnenseiten

Oft sehen Menschen mit Wiederherstellung alles als ein Problem an, das gelöst werden muss. Daraus kann es sich ergeben, dass sie sich nur noch auf Probleme und das Negative fokussiert. Daraus resultiert oft Kritik am System, aber auch an sich selbst.

Auf der Sonnenseite aber sind sie immer bereit, an einer Lösung mitzuarbeiten. Sie finden Schwachstellen sehr schnell und sind sehr kreativ und effizient bei der Lösungsfindung.

Leiten mit Wiederherstellung

Wiederherstellung baut Vertrauen auf, indem sie Chaos beseitigt und aufräumt. Sie ist jederzeit bereit, sich die Hände schmutzig zu machen, um etwas zu lösen, und ist sehr erfolgreich dabei.

Diese Willigkeit zeigt auch, dass Wiederherstellung an anderen gelegen ist.

Lösungen bringen Stabilität, und inmitten des Chaos strahlt Wiederherstellung Hoffnung aus.

Stärken oder doch Talente?

Was sind denn eigentlich Stärken?

Dafür gibt es natürlich die unterschiedlichsten Erklärungen. Im Rahmen von CliftonStrengths© allerdings ist diese sehr präzise:

Eine Stärke ist die Fähigkeit, konstant sozusagen perfekte Leistung in einer bestimmten Aktivität zu erbringen.

Woher kommen solche Stärken?

Einer Stärke liegen Talente zu Grunde. Ein Talent ist ein natürliches, sich wiederholendes Muster zu denken, zu fühlen oder zu handeln, welches produktiv angewandt werden kann.

Talente, zusammen mit dem notwendigen Investment von Zeit, Übung, Trainieren und Lernen, Wissen und Fähigkeiten – entwickeln sich zu Stärken.

Talente gibt es viele. Einige sind extrem selten, während andere weit verbreitet sind. Donald Clifton hat diejenigen Talente gesucht, welche uns genügend unterscheiden, um eine Effizienzsteigerung im Team zuzulassen, aber auch nicht exotisch genug sind, dass sie sozusagen nie auftreten

Diese Talente hat er dann zu Talentthemen zusammengefasst – 34 an der Zahl.

Was folgt daraus?

Talente sind angeboren. Aber erst durch ihre Anwendung werden sie zu Stärken. Somit arbeiten Nature und Nurture zusammen.

Das heisst auch, dass das Assessment angibt, über welche Talentthemen wir verfügen können, um sie mit relativ geringem Energieaufwand in Stärken zu verwandeln.

Der Test gibt aber nicht an, ob wir unsere Talentthemen bereits in Stärken verwandelt haben. So spricht man von rohen Talentthemen oder reifen Stärken.

Gleichzeitig kann ich natürlich einen schwachen Tag erwischen. An einem solchen Tag verwende ich die Stärke – unabhängig vom Reifegrad – wohl eher unreflektiert, zu stark oder zu egoistisch. So wird aus Einflussnahme Manipulation, aus Denken mit einem Ziel Denken um des Denkens willen. Da werden Beziehungen überbeansprucht oder ausgenutzt, und so manches in den Sand gesetzt durch unüberlegtes Handeln. Die Schattenseiten einer Stärke halt.

Was ist denn eine Schwäche?

Eine Schwäche ist entweder ein Talentthema, das ich für das anliegende Projekt oder Problem benötigen würde, oder eine Stärke auf ihrer Schattenseite oder im Overdrive. Was immer mich hindert, (fast) optimale Leistung zu bringen.

Schwächen kann ich kompensieren, indem ich meine Stärken dazu verwenden, so zu tun, als ob ich die Stärke hätte – zu übernehmen und zu imitieren, wie gut es eben geht.

Oder ich suche mir Ergänzung in einer anderen Person.

Oder ich investiere in dieses Talentthema – was schwieriger wird, je tiefer unten das Talentthema in meiner Stärkenreihenfolge vorkommt. Bei den letzen paar Talentthemen bieten sich die oberen Strategien an!

Wie entwickle ich Talentthemen?

Lernen – Lieben – Leben

Lerne Deine Stärken kennen. Mach das Assessment, lese über die Themen, erinnere Dich immer wieder daran, welche Stärken Du mitbringst.

Liebe Deine Stärken – und alle anderen. Tauche tief – liebe Deine Stärken. Und untersuche den ganzen Pool – auch die Stärken anderer, und am Schluss wirklich alle.

Und dann lebe die Stärken aus. Überlege Dir, welche Stärken Du in einer Situation zum Einsatz bringen kannst – entweder um sie zu trainieren, oder um zur Lösung beizutragen, und am besten beides gleichzeitig.

Zum Schluss noch eine Tatsache, die wie ein billiger Werbespot klingt:

Jeder braucht einen Coach.

Tatkraft

Menschen mit einer stark ausgeprägten Tatkraft setzen Gedanken in die Realität um. Geduld ist oft nicht ihre Stärke.

So definiert Gallup Tatkraft. Mindestens in der Kurzform.

Als meine Nummer 14 kann ich Tatkraft einsetzen, aber es braucht mich schon einiges an Energie und Konzentration. Sie ist für mich nur eine unterstützende Stärke, und ich habe wenig in Tatkraft investiert.

Tatkraft ist ein Talent in der Domäne Einflussnahme. Das bedeutet, dass es häufig darum geht, andere mitzunehmen. „Lasst uns das jetzt tun.“ Gleichzeitig begeistert die Tatkraft andere, mitzumachen.

Vor allem aber geht es darum, endlich aufzuhören, ständig zu schwatzen, und loszulegen!

Die Entscheidung ist getroffen, warum noch warten?

Der Tatkraft fällt es leicht, Dinge zu beginnen. Durchzuhalten vielleicht etwas weniger. Tatkraft ist aber der Katalysator, der ein Projekt oft aus den Startlöchern bringt.

Abgrenzung zu anderen Talenten

Ich plaudere jetzt etwas aus dem Nähkästchen. Meine Frau hat Tatkraft an vierter Stelle.

Meine Frau lernt folgendermassen: sie setzt etwas in die Tat um, betrachtet das Ergebnis, und zieht ihre Rückschlüsse. Das nächste Mal weiss sie mehr.

Ich selbst habe Wissbegier als Stärke. Ich lerne um des Lernens willen.

Ich habe Behutsamkeit. Ich denke selbst die Risiken durch, bevor ich beginne.

Tatkraft glaubt, dass die Weiterentwicklung eines Menschen nur durch Tun erreicht werden kann.

Intellekt dagegen sieht die Entwicklung in der Introspektion.

Grossartige Theorien sind für die Tatkraft genau das – Theorien. Beurteilen kann man etwas oder jemanden nur an dem, was er tut. Vorstellungskraft, Zukunftsorientierung und Analytisch sehen das, gelinde gesagt, etwas anders. Zum Glück verbindet Strategie das Denken mit dem Tun, indem es die Lösungswege sieht und findet.

Der geneigte Leser sieht nun das Potential für Konflikt in unserer Ehe: Denken versus Tun, sind doch die oben genannten Stärken, die ich der Tatkraft gegenüberstelle, meine dominanten Stärken.

Jahrelang war dieser Konflikt auch mehr als präsent.

Doch hier möchte ich für den CliftonStrengths-Test eine Lanze brechen: seit wir wissen, welche Stärken wir beide haben, kombinieren wir diese, statt sie zu bekämpfen.

Zusammenspiel

Wenn die Stärken aber zusammenspielen, dann kann das folgendermassen aussehen:

Tatkraft mit Zukunftsorientierung: Ich weiss, dass all meine Träume für die Zukunft schneller Wirklichkeit werden, wenn ich bereits heute beginne, mich darauf zuzubewegen.

Wie kann das nun aussehen, wenn zwei Personen beteiligt sind?

Oft hat die Person, welche Tatkraft besitzt, keine Ahnung, wo sie diese umsetzen soll. Daraus kann Frustration in der Lethargie entstehen, oder es werden immer wieder dieselben Dinge gemacht, nur damit man etwas zu tun hat.

Eine Person mit Zukunftsorientierung oder Vorstellungskraft hat oft so viele Ideen oder ein klares Bild der Zukunft, ist aber frustriert, weil es ihm nicht gelingt, diese umzusetzen.

Strategie sitzt irgendwo dazwischen: originale Ideen fehlen oft, aber sind diese vorhanden, sieht sie die Lösung. Aber sie braucht Tatkraft, um diese anzureissen.

Übrigens braucht Tatkraft entweder Verantwortungsbewusstsein, Leistungsorientierung oder Höchstleistung, um etwas auch durchzuziehen.

Dies einfach ein paar Ideen, wie Stärken und Personen sich ergänzen.

Schatten- und Sonnenseiten

Wir haben die Schatten- und Sonnenseiten von Tatkraft bereits gesehen:

Tatkraft begeistert und beginnt, hält aber oft nicht durch und weiss von sich aus nicht unbedingt, was zu tun.

Geduld fehlt oft und die Motivation, etwas zu tun, ist genau diese: etwas zu tun.

Aber ich bin dankbar für die Tatkraft: ohne sie wird oft nichts getan.

Lieben wir alle 34 Stärken, denn jede trägt etwas zum Gesamtbild bei.

Autorität

Menschen mit einer aussergewöhnlich stark ausgeprägten Autorität verfügen über Präsenz. Sie sind immer Herr der Lage und haben keine Schwierigkeiten, Entscheidungen zu treffen.

So weit die Definition von Gallup.

Wenn ich über das Talent Autorität nachdenke, gefällt mir der englische Name dafür wesentlich besser: „Command“.

Autorität beinhaltet für mich, gesandt zu sein mit einem Auftrag und der notwendigen Ausrüstung, auch Befehlsgewalt. Wie die Bibel es in der Geschichte mit dem Zenturio beschreibt: Ich stehe unter Autorität, darum habe ich Autorität.

Für einige mag die Unterscheidung eher semantischer Natur sein, da sie sowohl Autorität als auch Command mit Position gleichsetzen.

Doch hier geht es um eine Haltung, eine Sicherheit. Es geht hier wesentlich mehr um das Staunen der Menschen, die Jesus zuhörten: „Dieser legt die Schrift mit Autorität aus“.

Dieser Gedanke versöhnt mich mit der deutschen Übersetzung.

Doch weiter zum eigentlichen Talent, so wie es Donald Clifton definiert:

Menschen mit Autorität kauft man ab, was sie sagen. Warum? Sie stehen für das ein, was sie glauben. Daher übernehmen sie die Leitung und weichen Konflikten nicht aus.

Abgrenzung gegen andere Talente

Was unterscheidet denn Autorität von Überzeugung? Überzeugung nimmt seine Motivation aus Grundwerten und Ethik. Solange diese Grundwerte gelebt und die Ethik befolgt wird, kann ein Mensch mit Überzeugung durchaus ruhig seinem Werk nachgehen. Es geht ihm weniger darum, seine Grundwerte anderen weiterzugeben – ausser natürlich, wenn genau das ein Teil seiner Grundwerte ist, z.B. die Mission oder Evangelisation. Es geht ihm darum, aus Überzeugung etwas zu tun.

Einem Menschen mit Autorität hingegen geht es darum, andere anzuleiten. Er ist sich sicher, dass er das kann und das es um Wohle der anderen ist.

Selbstbewusstsein ist, wie Autorität, ein Talent der Einflussnahme. Autorität glaubt an ihre Fähigkeit, zu leiten, während Selbstbewusstsein glaubt, sich selber leiten zu können, ohne viel Rat zu brauchen. Selbstbewusstsein kann ohne weiteres etwas alleine tun – und besticht durch seine Sicherheit. Autorität hingegen sammelt andere und weiss, wohin das Team sich bewegen soll.

Kontaktfreudigkeit möchte andere von der eigenen Meinung überzeugen, genau wie Autorität. Während es aber Autorität darum geht, andere anzuleiten, geht es der Kontaktfreudigkeit darum, gemocht zu werden. Gleiches Ziel, anderer Ansatzpunkt, andere Motivation.

Bedeutsamkeit unterscheidet sich auch von Autorität, auch wenn beide mit Menschen mit grosser und starker Persönlichkeit in Verbindung gebracht werden. Bedeutsamkeit möchte beachtet werden und ein Erbe hinterlassen, während Autorität die Leitung übernehmen will.

Wettbewerbsorientierung vergleicht, Autorität fordert heraus. Tatkraft will anfangen, oft mit Ungeduld, während Autorität es richtig machen will und geduldig vorbereitet, wenn nötig.

Schatten- und Sonnenseiten

Autorität wird im schlimmsten Fall sehr autoritär, diktatorisch, herrisch. Im besten Fall hingegen bringt sie Ausrichtung und Klarheit über das zu erreichende Ziel. Das Chaos wird beseitigt. Und sie steht für diejenigen ein, die sie leitet.

Ein Beispiel für Autorität ist die Schöpfungsgeschichte. Der Geist Gottes schwebte über dem Chaos, und Gott sprach.

Leiten mit Autorität

Vertrauen, Stabilität, Hoffnung, Mitgefühl entstehen natürlich aus der Fähigkeit, zu leiten. Ein Naturtalent – wenn auf der Sonnenseite.

Und im Leiten fühlt sich Autorität auch wohl.

Überzeugung

Menschen mit einer starken inneren Überzeugung verfügen über ein stabiles Wertesystem, aus dem sie ihren Lebenssinn beziehen.

So definiert Gallup das Talent in einem Satz.

Ich habe das Glück, mehrere Personen in meinem Umfeld zu haben, welche Überzeugung auf der Top-Position ihrer Stärken haben.

Wunderbare Menschen, welche einen hohen Stellenwert auf Moral und Verantwortungsbewusstsein legen. Ihre Grundwerte rufen sie zurück, wenn sie in der Gefahr  stehen, sich den Versuchungen und Zerstreuungen der Welt hinzugeben.

Beziehungen sind für diese Menschen wichtig und dauerhaft – sofern dies ihrem Wertesystem entspricht.

Sie suchen Sinn im Leben, und sinnvoll kann nur sein, was ihren Werten entspricht.

Auf jeden Fall weiss man immer, wo diese Personen stehen. Das bringt Stabilität.

Mögliche Schattenseiten

Das Wertesystem, das es ihnen erlaubt, zu handeln, ist von Person zu Person unterschiedlich ausgeprägt. Zwar mögen in unser über Jahrhunderte christlich geprägten Kultur einige davon grundsätzlich vorhanden sein, aber jeder Mensch ist unterschiedlich geprägt und geformt.

Dessen sind sich Menschen, die mit Überzeugung (als Talent) tun, was sie tun, oft nicht bewusst. Klar, sie sehen, dass andere Menschen nicht ihren Werten gemäss handeln. Ihre Reaktion darauf ist aber meist, dem anderen dahingehend helfen zu wollen, diese offensichtlichen Werte zu übernehmen und danach zu leben.

Es geht sogar noch viel weiter. Oft glauben sie, dass diese Werte universal seien – zumindestens in ihrem Kulturkreis – und dass andere nur nicht die Willenskraft und Hingabe haben, danach zu leben.

Oft geht dies so weit, dass ihre durch das Wertesystem induzierten Gedanken höheren Massstäben genügen. Sind sie religiös oder gläubig, sind solche Gedanken oft Gottes Wort. Jede Philosophie, der sie angehören, muss verteidigt werden. Je nach Weltansicht geschieht dies auch durch eine recht absolute dualistische Einteilung in Gut und Böse.

In unseren Augen erscheint derjenige als Held, der sich in den Bereichen besonders profiliert, die für uns einen hohen Stellenwert haben. Jonathan Swift

Änderungen des Denkens ist sehr schwierig, sofern dies eine Anpassung des Wertesystems notwendig macht – oder wenigstens ihrer subjektiven Auslegung dieses Wertesystems. Dann geht es um Charaktereigenschaften, nicht um intellektuelle Spielereien.

Abgrenzung zu anderen Stärken

Wo Strategie aus vielen möglichen Wegen den besten auswählt, gibt es für Überzeugung nur einen Weg.

Überzeugung muss etwas sehen, um es zu glauben. Wobei „sehen“ nicht unbedingt, ja eher selten als sensorisches Sehen zu verstehen ist. Analytisch hingegen muss etwas beweisen können, um es vertreten zu können.

Wo Intellekt frei von Begrenzungen denken kann, verwirft Überzeugung à priori alles, was ausserhalb des eigenen Wertesystems ist, und verfolgt es nur insofern weiter, um seine Nichtigkeit zu beweisen.

Einfluss anderer Stärken

Vorstellungskraft kann sich alles mögliche vorstellen, und Überzeugung bewertet und ordnet diese Vorstellungen in der werteinduzierten Weltsicht ein.

Wissbegier streckt sich wertfrei nach allem Wissen aus – wichtig ist, etwas Neues zu lernen. Überzeugung stellt fest, ob das angestrebte Lernziel würdig ist.

Überzeugung liefert für die Zukunftsorientierung die Grundwerte zur Ausgestaltung der möglichen Zukunftsperspektiven.

Überzeugung hat eine gewisse Leidenschaft für das, was ihr wichtig ist, das Wertesystem sieht Behutsamkeit aber als Privatsache an.

Entwickler mit Überzeugung hilft dem anderen, ein starkes Wertesystem zu entwickeln. So wird die Welt zu einem besseren Ort.

Wo fühle ich mich wohl?

Wohl ist es der Überzeugung in einem Umfeld Gleichgesinnter oder Anpassungswilliger.

Wie zeigt sich Ihre Überzeugung?

Bindungsfähigkeit

Menschen mit einer stark entwickelten Bindungsfähigkeit streben enge Beziehungen mit anderen an. Sie erleben eine tiefe Befriedigung, wenn sie mit Freunden zusammen hart für ein gemeinsames Ziel arbeiten.

So die Kurzbeschreibung des Talentes bei Gallup.

Dies ist die erste Stärke, die ich beschreibe, die nicht zu meinen ausgeprägten Stärken gehört. Sie befindet sich auf Platz 11.

Die ersten acht bis zwölf Talente sind unsere signifikanten Stärken. Die brauchen wir, ohne gross darüber nachzudenken – das sind schlicht wir. Die nächsten Stärken können wir, wenn es nötig wird, auch noch auspacken. Zum Schluss kommen ein paar Talente, da ist es besser, jemand anderen zu kennen, der das kann!

Also, zurück zur Bindungsfähigkeit.

Es geht bei diesem Talent um tiefe Beziehungen. Damit eine Beziehung tief sein kann, sind einige Rahmenbedingungen wichtig:

Die Kapazität eines einzelnen für tiefe Beziehungen ist beschränkt. Eine Beziehung braucht Pflege und Zeit, um in die Tiefe zu wachsen. Daher werden es eher wenige Beziehungen sein.

Abgrenzung zu anderen Talenten

Damit steht die Bindungsfähigkeit im Kontrast zur Kontaktfreudigkeit, welche viele, aber oft auch oberflächliche Beziehungen pflegt. Daher erstaunt es auch nicht, dass Kontaktfreudigkeit in der Domäne Einflussnahme zu finden ist, Bindungsfähigkeit aber bei der Beziehungsbildung.

Eine tiefe Beziehung lebt vom Geben und Nehmen. Im Gegensatz dazu kann das Talent Entwicklung durchaus hauptsächlich geben. Es bekommt seine Motivation aus den Fortschritten des Schülers, des Empfängers.

Eine Beziehung braucht Zeit und Gelegenheit. Zudem geht der Bau einer Beziehung für dieses Talent am besten im Einzelgespräch – ich kann ganz auf mein Gegenüber eingehen. Dabei geht es weniger um die Gefühle des anderen – das wäre Einfühlungsvermögen. Es geht darum, den anderen kennenzulernen.

Das Bedürfnis, Menschen einzeln oder in Kleingruppen kennenzulernen – welch ein Unterschied zur Motivation des Talents Integrationsbestreben. Da geht es darum, niemanden auszuschliessen, was oft in grösseren Gruppen resultiert.

Und auch die Einzelwahrnehmung unterscheidet sich von der Bindungsfähigkeit. Ihr geht es darum, niemanden über den gleichen Leisten zu schlagen. Bindungsfähigkeit geht es um das Kennenlernen auf tiefer Ebene.

Das Talent Bindungsfähigkeit hat es schwer, jemand Neues kennenzulernen. Aber alte, vielleicht eingeschlafene Beziehungen können aus dem Stand heraus wieder da anknüpfen, wo sie zurückgelassen wurden.

Zusammenarbeit mit anderen Talenten

Natürlich kann die Bindungsfähigkeit mit jeder der genannten Stärken zusammenarbeiten.

Bindungsfähigkeit und …

  • Kontaktfreudigkeit überwindet die Anfangsschwierigkeiten, hat ein weites Beziehungsnetz, und eine kleine Anzahl tiefer Freunde.
  • Entwickler investiert sich in den anderen und der Schüler wird zum Freund, wenn die Entwicklung fortgeschritten ist.
  • Einfühlungsvermögen fühlt mit dem anderen mit und lernt ihn sehr gut kennen. Freundschaft mit tiefem Verständnis.
  • Einzelwahrnehmung wird jeden Freund sehr individuell behandeln.
  • Integrationsbestrebung wird niemanden in der Gruppe der Freunde ausschliessen.

Intellekt verstärkt die Abneigung von Bindungsfähigkeit gegen Small Talk und erschwert das Kennenlernen neuer Freunde.

So ist keines der Talente für sich allein, und jedes ist in seiner Ausprägung stark abhängig von den anderen Talenten, die eine Person hat.

Schattenseiten

Die Gefahr ist da, dass ich mich mit meiner Clique sehr wohl fühle, oder dass ich mit meinem kleinen Beziehungsnetz Vetternwirtschaft betreibe.

Auch ist es natürlich möglich, dass ich in eine Informations-Bubble hineingerate: Neue Ansichten und Informationen haben einen schweren Stand.

Und zudem ist es eventuell schwierig, mit mir in Beziehung zu treten.

Hier müssen andere Talente übernehmen. Im schlimmsten Fall brauche ich jemanden, der mich ergänzt.

Sonnenseiten

Hat es jemand aber in meinen Freundeskreis geschafft, hat er einen Freund fürs Leben. Er wird nicht ausgesaugt.

Leiten mit Bindungsfähigkeit

Die Menschen in meiner Gruppe kennen mich mit meinen Stärken und Schwächen und wissen, was sie von mir erwarten können. Das bringt Stabilität, Sicherheit, aber auch Hoffnung – ich werde immer da sein für sie.

Wo fühle ich mit wohl?

Ein Mensch mit Bindungsfähigkeit fühlt sich am wohlsten mit einer anderen Person oder in einer kleinen Gruppe von Menschen, die er kennt und liebt.

Was dabei unternommen wird – ob ein Kinoausflug, eine Grillparty oder ein Gespräch, hängt von den anwesenden Talenten und Stärken ab. Wichtig ist es, den anderen besser kennen zu lernen und dass die anderen mich besser kennen lernen.

Und wie zeigt sich dieses Talent bei Ihnen?

Selbstbewusstsein

Menschen mit einem stark ausgeprägten Selbstbewusstsein sind davon überzeugt, dass sie ihr Leben meistern werden. Sie verfügen über eine Art inneren Kompass, aus dem sie die Zuversicht beziehen, dass ihre Entscheidungen richtig sind.

Wieder beginne ich mit der Definition von Gallup.

Tief in mir drin weiss ich, dass ich recht habe und auf dem rechten Weg bin. Das gibt nicht nur mir Sicherheit, sondern auch meinem Umfeld. Wenn jemand weiss, was er will und wer er ist, ist das anziehend.

Es ist aber auch nicht schwer, die darin verborgenen Schwierigkeiten und möglichen Schattenseiten zu entdecken: Narzissmus und Sturheit drängen sich auf. Es ist wichtig, gerade mit dieser Stärke ein belehrbares Herz zu bewahren.

Das ist gerade deshalb wichtig, weil mir diese Stärke dann Energie bringt, wenn ich meine Überzeugungen, meine Botschaft teile. Evangelisation aus Überzeugung.

Zusammenspiel meiner Talente

In meiner eigenen Jugend hat dieses Talent in seiner Rohform dazu geführt, dass ich sehr zufrieden sehr einsam und allein war. Ich genügten mir selbst und wusste, was die anderen verpassten, wenn sie mit mir keinen Umgang wollten.

Meine Vorstellungskraft, Wissbegier, mein Intellekt und die Zukunftsorientierung liessen mich zu einer sehr nach innen gerichteten Person werden. Wenn mir aber jemand zuhörte, übergoss ihn ein Schwall an Ideen, bis er oder sie davon gespült wurden.

Strategische Lösungen, verbundene systematische Betrachtungen, analytische Faktengenauigkeit, und eine grosse Sammlung an Wissen prasselten auf meine armen „Gegenüber“ ein.

Rohzustand. Die Reaktionen nagten aber doch an mir und liessen das Talent Selbstbewusstsein sich tief in mich hinein zurückziehen.

Ich wusste immer noch, dass ich recht hatte – mehr denn je. Aber die starke Seite dieses Talent konnte sich nicht mehr zeigen: anderen Sicherheit zu geben durch die eigene Sicherheit.

Der Weg zurück

In meinem Beruf – Programmierer, Projektleiter, CTO, Softwarearchitekt – konnte ich das immer noch. Dies war ein Heimspiel. Die Informatik machte es notwendig, ständig Neues zu lernen. Als Softwarearchitekt durfte ich meine Vorstellungskraft und Strategie voll ausleben, als Programmierer analytisch tätig sein. Als CTO wurde meine Fähigkeit, die Zukunft gestalten zu können, gefordert.

Als Pastor war ich in einem vollständig anderen Umfeld. Die Zukunft war vorgegeben – es wird schlimmer, bis wir in den Himmel kommen. Denken überliessen wir Gott, und die geforderten Stärken wie Einfühlungsvermögen und Harmoniestreben waren tief in meinem blinden Punkt. Ich übertreibe, aber so kam es mir vor.

Ich lebte ein zerrissenes Leben – in meinem Beruf durfte ich meine Stärken ausleben, in meinem Privatleben und der Gemeinde nicht. Und es war mir klar: das Leben, das ich in der Gemeinde führte, war das Richtige.

Bis ich in eine echte Identitätskrise kam.

Die Informatik in der Schweiz entwickelte sich zu einem langweiligen, sicheren Job, in dem absolut risikolos die immer gleichen Probleme mit sich stetig verändernden Werkzeugen neu gelöst wurden, gut und sicher bezahlt von der Finanzindustrie, Versicherungen und der Wirtschaft. Ich war meines Spielfelds beraubt.

Endlich erkannte ich, wieviel Energie und Lebensfreude ich aus meinen Stärken erhielt. Der Clifton StrengthsFinder (CSF) erlaubte mir nun eine wunderbare Einsicht:

Dies war, wie Gott mich geschaffen hatte. Ein bisschen weniger religiös: Offensichtlich waren die Dinge, die ich gut tat, relevante Stärken. Das hiess, dass auch andere diese Stärken hatten, und zwar statistisch genügend, dass ein Test sich damit befassen würde.

Notwendig

Der CSF sucht nach Exzellenz in Teamwork. Dabei hat Donald Clifton festgestellt, dass wir am besten zusammenarbeiten, wenn wir unseren Stärken gemäss eingesetzt werden und die Stärken unserer Teammitglieder kennen.

Stärken, welche nur sehr selten vorkommen, sind in dieser Betrachtung nicht wichtig. Wenn nur einer in einer Million eine gewisse Stärke aufweist, ist die Chance sehr klein, dass diese Stärke gerade in meinem Team vorkommt.

Wenn der CSF also meine Stärken aufführte, waren sie statistisch signifikant und relevant. Es gab genügend Menschen mit eben diesen Stärken in anderen Kombinationen.

Wenn es aber genügend Menschen gab mit diesen Stärken, dann waren sie für das Gesamtbild notwendig.

Hinreichend

Auf der anderen Seite hatte aber auch nicht jeder eine Vorstellungskraft, wie ich sie hatte – oder die intellektuellen und analytischen Fähigkeiten. Das bedeutete: es brauchte mich.

Das Konzept von CSF, das Menschen weniger in ihren blinden Punkt investieren als sich vielmehr in diesen Bereichen ergänzen sollten durch darin begabte Menschen sagte noch etwas mehr: ich genügte.

Denn Gott hatte genug Menschen mit Einfühlungsvermögen und Harmoniestreben, um mich zu ergänzen. Die Gemeinde floss geradezu über mit solchen Menschen.

Das erlaubte mir, meine Stärken in die Gemeinde einzubringen und diese Menschen endlich zu ergänzen.

Mein Selbstbewusstsein durfte wieder an die Oberfläche zurück.

Führen mit Selbstbewusstsein

Ich bringe anderen Menschen Sicherheit, denn sie vertrauen mir. Wenn ich von etwas überzeugt bin, bringe ich es mit Überzeugung rüber. Aber die Menschen wissen, dass all dies gut durchdacht und recherchiert ist. Ich äussere, wenn ich führe, nichts leichtfertig.

Oder etwa doch? Je mehr ich Vorstellungskraft, Zukunftsorientierung und Intellekt, aber auch die Behutsamkeit wieder zulasse, desto öfter werden Ideen und Konzepte, die ich mal in den Raum stelle, als sicher und definitiv angesehen – weil sie mit solchem Selbstbewusstsein rüberkommen. Hier muss ich deklarieren, in welchem Modus ich bin.

So können mir Menschen vertrauen. Ich bringe Stabilität in einem sich stetig verändernden Umfeld, und ich schaffe Hoffnung, gerade weil ich mir so sicher bin.

Fazit

Ich darf so sein, wie ich bin – einzigartig und wunderbar gemacht. Und nicht nur ich weiss, dass das zutiefst richtig ist.

Und Du?

Ideensammler

Menschen, die gerne Ideen sammeln, möchten gerne mehr erfahren. Leidenschaftlich gerne sammeln und archivieren sie Informationen aller Art.

So beschreibt Gallup das Talent Ideensammler.

Während ich diesen Artikel schreibe, höre ich einen Podcast von Tom Bilyeu mit Agent Smith über Peter Diamandis. Gleichzeitig lese ich ein Buch – was heisst da ein Buch – mehrere Bücher. Darum brauchte ich einige Zeit, diesen Artikel zu schreiben.

Welche Bücher?

  • Die Feuerschreiber: Martin Luther und Philipp Melanchthon. Historischer Roman von Claudia Schmid (Hardcover)
  • Spiral Dynamics – Leadership, Werte und Wandel: Eine Landkarte für das Business, Politik und Gesellschaft im 21. Jahrhundert von Don Beck und Christopher C. Cowan (Kindle)
  • Ins Herz geschrieben: Die Weisheit der Bibel als spiritueller Weg von Richard Rohr und Bernardin Schellenberger (Kindle)
  • Finding God in the Waves: How I Lost My Faith and Found it Again Through Science von Mike McHargue (Kindle)
  • Focus on your Strengths von Danny Crouch und Nicole Feledy (iBooks)
  • Essentialism: The Disciplined Pursuit of Less von Greg McKeown (Kindle)
  • Wie Elon Musk die Welt verändert – Die Biografie von Ashlee Vance und Elon Musk (Kindle)
  • The Road Back to You: An Enneagram Journey to Self-Discovery von Ian Morgan Cron und Suzanne Stabile (Audible)
  • Blue Like Jazz: Non-Religious Thoughts on Christian Spirituality von Donald Miller (Audible)
  • Die Bibel in verschiedenen Übersetzungen (Hardcover, OliveTree, Audible)

Alle diese Bücher lese ich parallel.

Podcasts, die ich höre, sind unter anderem

  • Bethel Church Sermon of the Week
  • Kris Vallotton’s Podcast
  • Exponential Wisdom von Peter Diamandis
  • Gallup Called to Coach
  • Gallup Theme Thursday
  • Gallup Builder Talent Tuesday

Warum schreibe ich das?

Es zeigt den Ideensammler. Ich lese alle diese Bücher und höre diese Podcasts, um Informationen zu sammeln, die ich später verwenden kann.

Zusammenspiel meiner Talente

Meine anderen Stärken spielen hier natürlich mit. All diese Informationen entzünden ein Feuerwerk von neuen Ideen. Ich liebe den Prozess. Ich vernetze die Ideen miteinander. Und ich sehe die grossartige Zukunft, die vor uns liegt.

Unterschiede zu anderen Talenten

Wissbegier liebt den Lernprozess und die Umgebung. Ideensammler liebt es, wenn etwas später verwendet werden kann.

Vorstellungskraft kreiert neue Ideen scheinbar aus dem Nichts. Ideensammler sammelt die Ideen anderer.

Andere Ideensammler

Mein Schwiegervater war ein Ideensammler – auf eine ganz andere Art. Englisch heisst das Talent Input, was das Talent weniger mit Ideen verbindet. Wichtig ist das Sammeln für den späteren Gebrauch.

Mein Schwiegervater hatte Schrauben und Nägel, sortiert nach allen möglichen Attributen. Er wusste genau, wo er suchen musste – die Ordnung erschloss sich nicht jedem, aber er durchschaute sie. Das ist nicht immer wahr oder notwendig für den Ideensammler und zeigt eine gewisse Reife des Talents: nicht nur sammeln, um wiederzuverwenden, sondern auch ordnen, um das zu ermöglichen.

Roh geht es darum, dass ich weiss und glänzen kann. Reif darum, anderen zu helfen.

Gesammelt werden kann alles: von Puppen bis Werkzeuge, von Ideen bis Zitate, von Büchern bis Wörter.

Ich selber habe kein externes Ordnungssystem, im Gegenteil. Ich bin ein Minimalist und schnell überfordert durch physische Stapel. Also lebe ich entweder sehr aufgeräumt oder gebe auf, weil ich überfordert bin, und lasse alles liegen.

Meine Verbundenheit und mein Intellekt erlauben es mir aber, Fakten in meinem internen Weltbild abzulegen. Dieses wird dementsprechend angepasst. Mein grosser Vorteil: Verbundenheit erlaubt auch Widersprüche.

Schwierig wird es, wenn zuviel Zeit für das Sammeln verwendet wird, eine richtiggehende Sammelwut entsteht. Oder wenn die Fülle an Informationen dazu führen, dass man stetig abschweift. Auch Chaos im physischen wie auch im Geist kann entstehen.

Führen mit Ideensammler

Ideensammler bilden Vertrauen, indem sie zu einer Quelle von Information werden. Hilfreicher Information im besten Fall.

Das zieht andere an, weil sie das Interesse spüren, dass der Sache entgegengebracht wird.

Das geht so weit, dass dadurch Stabilität und Hoffnung kreiert werden, ja dass die Menschen wissen: wenn es ein Problem gibt, ist da eine Lösung in diesem Wissensschatz.

Wo fühle ich mich wohl

Ideensammler fühlen sich wohl, wo sie die Freiheit geniessen, zu sammeln. Gleichzeitig brauchen sie auch den Raum, die so gesammelten Ideen einzubringen.

Was für Ideen sammeln Sie?

Analytisch

Menschen mit einem stark ausgeprägten Talent für analytisches Denken sind ständig auf der Suche nach Gründen und Ursachen. Sie machen sich ein genaues Bild sämtlicher Faktoren, die eine bestimmte Situation beeinflussen können.

So die offizielle Beschreibung des Talentes Analytisch durch Gallup.

Analytisch ist Teil der Domäne Strategisches Denken. Die Frage, die es ständig stellt, ist: Ist das wahr? Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, versucht es, Beweise zu finden.

Analytisch durchsucht bekannte Fakten und findet Beweise.

Menschen mit analytischen Fähigkeiten sind für ihre Umwelt oft eine Quelle ständiger Herausforderung. Theorien werden zerpflückt, Aussagen seziert. Dabei geht es nicht darum, sich hervorzutun, besser zu sein als andere. Es geht auch nicht darum, etwas zu zerstören. Es geht um Qualität. Und es geht um Vernunft.

Auf der anderen Seite liefern „Analytiker“ den Theorien, welche sie bestätigen, ein festes Fundament, aufgebaut auf Fakten und Daten.

Analytiker brauchen die Referenzen in wissenschaftlichen Arbeiten. Sie brauchen die Formeln, um selber nachrechnen zu können. Sie brauchen die Zeit, um sich eingehend mit etwas zu beschäftigen.

Analytiker entdecken Muster in Daten. Big Data ist des Analytikers Vorstellung von Himmel: entdecke menschliche  Verhaltensmuster oder technische Zusammenhänge in riesigen Datenmengen.

Ein Beispiel

Vor einiger Zeit waren ein paar meiner Freunde an einem Kongress einer Hirnforscherin über Neuroplastizität und christlichen Glauben. Beides Themen, die mich brennend interessieren.

Ich hatte bereits ein Werk dieser Autorin gelesen – oder besser – gehört. Die Hörbuchversion enthielt keinerlei Referenzen, und verschiedene Internetartikel bestätigten mir, dass diese Forscherin ihre Arbeit kaum mit Referenzen ausstattet.

Ich erlaubte mir, die Firma der Forscherin direkt anzuschreiben, und erhielt ausreichend Daten, um meine Analyse zu beginnen. Jetzt war es mir möglich, selber einen entsprechenden Unterbau zu recherchieren.

Bin ich überzeugt?

Die Schattenseiten

Die Schattenseiten von Analytisch: wann ist etwas bewiesen? Wenn ich weiss, dass eine Studie existiert? Wenn ich die Studie gelesen habe und weiss, wie sie zustande kam? Wenn ich weiss, dass die Studie Peer Reviews erhalten hat? Wenn sie oft genug zitiert wurde? Wenn die Personen, die die Studie durchgeführt haben, einen guten Ruf besitzen? Wenn ich deren Referenzen geprüft habe? Oder wenn sich ein Ergebnis mit meinen eigenen, analytisch erworbenen Ansichten deckt?

Es ist wichtig, zu wissen, wann es genug ist, und zu vertrauen.

Eine weitere Schattenseite kann es sein, dass Analytisch so sehr die Beweise braucht, dass Neues nicht entstehen kann.

Ein weiteres Beispiel

Im Moment studiere ich Theologie. Theologische Arbeiten werden hauptsächlich analytisch bewertet. Gedankengänge müssen durch Referenzen abgesichert sein, und diese Referenzen müssen entsprechendes Ansehen und Bekanntheitsgrad haben, um als vertrauenswürdig zu gelten.

Entweder kommen die referenzierten Quellen aus der Denomination oder Tradition, welcher sich die Schule verpflichtet hat, oder sind allgemein anerkannt – und daher meist schon seit Jahrzehnten oder Jahrhunderten tot.

Eine Entwicklung des Glaubenslebens kann daher kaum aus der Theologie entstehen.

Doch genug von den Schattenseiten.

Unterschiede zu anderen Talenten

Im Gegensatz zum Talent Intellekt basiert Analytisch auf Daten und Fakten. Intellekt verwendet erworbenes Wissen, interne und objektive Logik, das bereits erstellte Weltbild, und eigene Konzepte, um ein Thema zu durchdenken. Analytisch hingegen verlässt sich auf externe Quellen.

Intellekt fragt: Was wäre wenn? Ist da noch mehr? Ist das nicht wie…?

Analytisch fragt: Ist das wahr? Geben die Daten das her? Und was versteckt sich sonst noch in diesen Daten?

Die letzte Frage zeigt es auf: Im Gegensatz zur Vorstellungskraft entdeckt Analytisch bereits vorhandene Muster und Prinzipien in Daten.

Analytisch kreiert neue Erkenntnis durch die Analyse vorhandener Daten, also durch die Aufbereitung historischer Datenbestände, ähnlich des Talents Kontext, welches die Gegenwart aus der Vergangenheit erklärt.

Die Vorstellungskraft wäre dann für Analytisch, was Zukunftsorientierung für Kontext darstellt.

Zusammenarbeit der Talente

Die Vorstellungskraft kreiert neue Ideen, welche dann von Analytisch reduziert und kalkuliert werden. So bleibt, was Bestand hat und Sinn macht.

Die Zukunftsorientierung leitet neue Trends dann Analytisch aus Daten ab.

Wissbegier merkt dann Analytisch, dass lernen faktenbasiert sein darf und muss.

Strategie wird unterstützt durch die entsprechende Analyse der vorliegenden Fakten.

Verbundenheit erhält Nahrung durch all die Fakten, wächst aber darüber hinaus und weiss, dass es auch Geheimnisse gibt.

Die Zusammenarbeit von Behutsamkeit und Analytisch wird klar im ersten Beispiel: Ich sehe das Risiko, und werte die Faktenlage aus, um es einzuschätzen.

Wie führt Analytisch?

Wie mit allen Stärken geht es bei der Führung anderer darum, Vertrauen zu bilden, Mitgefühl zu zeigen, Stabilität zu bringen, und Hoffnung zu kreieren.

Alle Stärken der Domäne Strategisches Denken haben dasselbe Problem: es braucht Zeit, bis andere die Vorteile sehen, die sich aus ihnen ergeben. Manchmal denke ich, dass es die anderen Domänen da einfacher haben.

Wenn Veränderungen oder Unbekanntes anstehen, wird dem Analytiker vertraut. Der hat das gut durchdacht. Vergessen Sie die menschliche Komponente nicht.

Setzen Sie ihre Stärke gezielt ein, wenn andere in der Datenflut unterzugehen drohen.

Stabilität bringt, dass Sie ihre Entscheidungen aus den Daten herleiten können.

Hoffnung bringen kann die objektive Analyse einer Situation – losgelöst von allen Gefühlen. Es erlaubt dem anderen, aus seiner Situation mal auszutreten, und eröffnet neue Horizonte.

Eine Anekdote

Meine Mutter fuhr mit dem Zug von Winterthur nach Bern. Ihr gegenüber sass ein Mann, mit dem sie langsam ins Gespräch kam. Meine Mutter war Sozialarbeiterin, der Mann sagte, er sei Analytiker. Meine Mutter war begeistert: ein Mann ihres Fachs. Aber das Gespräch war auf einer theoretischen Ebene, trocken, mit wenig persönlichen Aspekten.

Wo sie dachte, einen Psychoanalytiker vor sich zu haben, war der Mann aber ein IT-Analytiker.

Unsere Stärken beeinflussen einander, und Analytisch kann die unterschiedlichsten Färbungen annehmen.

Was ist Ihre Färbung?